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Eltern zwischen Vorsicht und Panik

Gesellschaft Immer wieder erhält die Polizei Meldungen, dass Kinder von Fremden fotografiert werden. In der Regel stellt sich der Hintergrund als harmlos heraus. Die Polizei rät dennoch zur Vorsicht. Von Antje Dörr

Eine Mutter fotografiert ihrer Kinder beim Toben auf dem Spielplatz. Symbolbild: Carsten Riedl
Eine Mutter fotografiert ihrer Kinder beim Toben auf dem Spielplatz. Symbolbild: Carsten Riedl

Ein weißer Kastenwagen. Männer mit Smartphones, die Kinder fotografieren: Solche oder ähnliche Nachrichten machen in den sozialen Netzwerken regelmäßig die Runde. Sie werden tausendfach geteilt und versetzen viele Eltern in Panik. Häufig ist es eine Meldung, die eine regionale Lawine auslöst.

Im Februar wurde in Schlierbach berichtet, Männer in einem weißen Kastenwagen würden mit ihren Smartphones Bilder von Kindern machen. Der „Fall“ stellt sich als harmlos heraus. „Die Männer waren Arbeiter, die in ihrem Auto Mittagspause machten“, sagt Martin Raff, Pressesprecher bei der Polizeidirektion Reutlingen.

Kurze Zeit später eine ähnliche Meldung, nur dieses Mal in Dettingen. Ein Kind hatte berichtet, Männer seien ihm in einem Kas­tenwagen entgegengekommen, in der Hand ein Smartphone. Der Vater alarmiert die Polizei. Die ermittelt, kann die Sache jedoch nicht aufklären, weil der Wagen nicht wieder auftaucht. Von einem kriminellen Hintergrund geht sie jedoch nicht aus.

Martin Raff weiß, dass solche Meldungen eine gewisse Dynamik entfalten können. „Der Vater, der den Wagen in Dettingen gemeldet hat, hat angegeben, im Internet über den Fall aus Schlierbach gelesen zu haben“, sagt Martin Raff. „Das ist, wie wenn Sie ein bestimmtes Auto kaufen wollen. Plötzlich sehen Sie nur noch diese Autos.“

Als hysterisch oder übermäßig besorgt abtun will er solche Eltern jedoch auf keinen Fall. Die Polizei nehme jede Meldung ernst und überprüfe alle verdächtigen Wahrnehmungen. „Wir sind uns der Emotionalität dieses Themas bewusst“, sagt er.

Die Meldung aus Schlierbach wirkt indes offenbar weiter nach. Im März machen weitere Meldungen die Runde. Vom Schafhof wird der Polizei berichtet, dass Fremde in einem Wohngebiet Fotos machen würden. Die Polizei trifft niemanden an. Weil das Haus leer steht, geht sie aber davon aus, dass es Kaufinteressenten sind, die die Immobilie fotografiert haben.

Zwei Mal wird gemeldet, ein älterer Mann mit merkwürdigem Gang sitze auf Parkbänken und beobachte Kinder. Bei ihren Ermittlungen trifft die Polizei den Mann an. Es handelt sich um einen älteren Schlaganfallpatienten, der sich immer wieder setzen muss, um zu verschnaufen.

An der Dettinger Teckschule taucht ein Mann auf, der Fotos der spielenden Kinder macht. Als eine Lehrerin ihn darauf anspricht, sagt er, dass er aus dem Iran stamme und seiner Familie habe zeigen wollen, dass Mädchen und Jungen in Deutschland gemeinsam unterrichtet werden. Die Fotos löscht er nach Aufforderung von seinem Handy.

Ende September erzählen Kinder in Dettingen ihren Eltern, sie seien auf dem Schulweg von Männern fotografiert worden. Die Polizei ermittelt, trifft jedoch niemanden an.

Auch wenn die Hintergründe häufig harmlos sind: Die Polizei rät dringend dazu, verdächtige Wahrnehmungen zu melden. „Lieber einmal zu oft anrufen, als einmal zu wenig“, sagt Martin Raff. Die Polizei mache keinen Vorwurf, wenn nichts dahinter stecke. Es sei wichtig, mit den Kindern über das Verhalten gegenüber Fremden zu sprechen, ohne sie jedoch in Panik zu versetzen.

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