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„Es ist so schön, dass der Markt stattfindet“

Event Die Weilheimer haben mit dem ­Zähringermarkt wieder ihre Geschichte ­aufleben lassen und zahlreiche Gäste in die Stadt gelockt. Von Sabine Ackermann

Gaukler und Musiker im dicken Zwirn zogen am Samstag in Weilheim die Aufmerksamkeit auf sich und verbreiteten ausgelassene Stimm
Gaukler und Musiker im dicken Zwirn zogen am Samstag in Weilheim die Aufmerksamkeit auf sich und verbreiteten ausgelassene Stimmung.

Adlige im Festgewand, Ritter, Mönche und Gesinde in Dienstkleidung haben es nicht leicht. Im robusten und dicken Zwirn müssen sie schwitzend lächeln, dem Volke winken und Fragen beantworten, Goldtaler verteilen oder sich im Schwertkampf beweisen. Doch Berthold I. von Zähringen und seine Gattin Richwara, die sich in der Neuzeit Klaus und Gabriele Schneider nennen, nebst Sohn Berthold II. alias Marco Junghans lieben das, was sie machen. „Ich bin nicht verheiratet“, scherzt Mönch Gebhard, den man im echten Leben als Peter Häring kennt.

All diese Gewandeten haben keine Scheu, sich unter die Menschen zu mischen, für ein Foto zur Verfügung zu stellen und den Besuchern aus dem Landkreis Göppingen zu verkünden: „Die Zähringer waren mächtiger als die Staufer.“ Wer mehr über dieses Adelsgeschlecht wissen wollte, war bei Elisabeth Bosch gut aufgehoben. Immer was los war auf der Freifläche der Peterskirche. Dort gab es an mehreren Stationen mittelalterliche Spielangebote, die mit einfachen Mitteln aus der Natur für großen Spaß sorgten. Ob Pflöckchen werfen, das Fangspiel der „Plumpsack“, Flatterband oder Türmchen aus Nüssen bauen, die Streuobst-, Naturerlebnis- und Museumspädagogin Heidi Schubert aus Owen erklärte nicht nur die Regeln, sie behielt auch den Überblick.

„Ach, ist das toll, dass der Markt stattfinden kann“, bekam Andrea Bauknecht von vielen „glücklich aussehenden Marktbesuchern“ immer wieder zu hören. Für die Rathausmitarbeiterin selbst ist es der erste Zähringermarkt. Und schlenderte man über den Platz und durch die Gassen, herrschte überall Ausgelassenheit - Letzteres war auch dem „Duo Zeitensprung“ zu verdanken. Spielen Thelonius Dilldapp und Serverin auf ihren Instrumenten, bleibt das Volk gerne stehen und hört zu. „Man freut sich schon über die kleinen Dinge, sehen, riechen, schmecken und alles ohne Maske“, sagten Hannelore und Mila. Mutter und Tochter waren ganz spontan aus Wernau gekommen, um sich mit Bertold- und Richwara-Wein einzudecken. „Sowohl als besonderes Mitbringsel als auch für den Eigenbedarf.“ Ähnlich sah es Arne Bäcker aus Ohmden, der eher in der „Wohlfühl-Abteilung“ fündig wurde. „Das soll ein Geburtstagsgeschenk für einen lieben Menschen werden“, verriet er und meinte damit die kuschlig-warme Decke aus Merinowolle, die er für seine Frau gekauft hat.

Kaum ein Stand, der nicht gut besucht war. Besonders begehrt waren jene Produkte, die selbstgemacht sind und aus der Region stammen. Allen Ortschaften voran ist da Neidlingen zu nennen, vom Apfelessig über Biosphärenhonig, Walnussöl bis zu Drechselarbeiten und Bekleidung aus regionaler Merinowolle - die Vielfalt ist groß. Marktbeschicker aus Kirchheim boten Alb-Naturseife oder verschiedene Öle an, Zähringer-Bier, Edelbände und Liköre stammen aus Weilheim und Backwaren, Nudeln, Käse und Dosenwurst aus Nabern. Auch Händler aus Wiesensteig, Mühlhausen im Täle, Reutlingen und Metzingen boten ihre Waren feil. Größter Beliebtheit erfreuten sich die Stände, an denen es etwas zu Schnabulieren gab. Zum Beispiel eigens kreierte Leckereien mit fantasievollen und passenden Namen wie „feuriges Drachenchili“, „Drachenhappen“ oder „Zähringer Zipfel“.

Geduldig stand Karl-Heinz Kottmann in der Schlange - als Zweitletzter, gut ein Dutzend Personen waren noch vor ihm. „Ich bin 84 und gehöre nicht zu den Rentnern, die keine Zeit haben“, sah er es pragmatisch und hoffte, mit Blick auf seine hungrigen Enkel, dass sie noch etwas abbekommen.

Regionale Produkte fanden beim Zähringermarkt in Weilheim reißenden Absatz.
Regionale Produkte fanden beim Zähringermarkt in Weilheim reißenden Absatz.
Eine wärmende Wolldecke ließ sich am Wochenende ebenso finden wie allerlei handwerklich Gefertigtes.
Eine wärmende Wolldecke ließ sich am Wochenende ebenso finden wie allerlei handwerklich Gefertigtes.
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