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Fagott, von klassisch bis barock

Portrait Bereits mit 13 Jahren wurde bei Annette Wittemann die Liebe zum Fagott geweckt. Heute ist die Musikerin nicht nur in vielen Ensembles gefragt, sondern vermittelt ihr Wissen auch an Schüler. Von Rainer Kellmayer

Annette Wittemann liebt ihr Instrument, aber auch die Natur.Foto: Rainer Kellmayer
Annette Wittemann liebt ihr Instrument, aber auch die Natur.Foto: Rainer Kellmayer

Neben der Musik ist das Reisen eine große Leidenschaft von Annette Wittemann, die als Musiklehrerin an den Musikschulen in Ostfildern und Filderstadt arbeitet. „Sehr gerne denke ich an eine sechswöchige China-Reise zurück. Auch das Zelten im Urwald von Ecuador war ein besonderes Abenteuer“, erinnert sich die Musikerin. Bei den Trips über die Kontinente schöpft sie Kraft für ihren anstrengenden Arbeitsalltag.

Wittemann ist nicht nur als Musikpädagogin geschätzt, sondern auch als Musikerin gefragt: Immer wieder wird die Fagottistin von Orchestern und Kammermusikensembles verpflichtet. Besonders spannend war einst die Anfrage, Johann Sebastian Bachs „Hohe Messe in h-Moll“ auf dem Barockfagott zu spielen - eine Herausforderung. Nach kurzer Überlegung stellte sie sich der schwierigen Aufgabe und kaufte kurzerhand ein Barockfagott. Das Problem war damit jedoch nicht gelöst, denn das Instrument verlangt gegenüber dem modernen Fagott eine völlig andere Grifftechnik. „Drei Wochen intensiven Trainings haben sich gelohnt: Das Konzert wurde ein Erfolg“, erzählt Wittemann. Dieses Erlebnis habe ihre Liebe zum Barockfagott geweckt.

Als Musikerin gut vernetzt

Was lag näher, als sich mit der Materie intensiver auseinanderzusetzen? „Ein Aufbaustudium bei Chris­tian Beuse, einem der führenden Experten in Sachen Barockfagott, hat mich stark geprägt“, sagt Wittemann. Die Ausbildung an der Musikhochschule Frankfurt schloss sie 2007 mit der Masterprüfung ab. Heute ist die Musikerin bestens vernetzt: Sie spielt unter der Leitung von Stiftskantor Kay Johannsen im Stuttgarter Ensemble „Stiftsbarock“ und in dem auf historische Instrumente spezialisierten Ensemble „La Banda“. Zudem ist sie mit der „Hannoverschen Hofkapelle“ in Konzertsälen und Kirchen zu hören.

Annette Wittemann ist auch Expertin auf dem klassischen Fagott der Mozart-Zeit, und beim Heilbronner Sinfonieorchester sitzt sie seit 20 Jahren am ersten Fagottpult. „Ich liebe die Abwechslung: Die musikalische Bandbreite ist mir sehr wichtig“, betont die Musikerin. Schon als Schülerin hat die 58-Jährige viel Renaissancemusik gespielt, nicht nur auf der Blockflöte, sondern auch auf heute eher exotisch anmutenden Instrumenten wie Pommer, Dulcian und Rankett.

Ein Schlüsselerlebnis hatte Wittemann mit 13 Jahren: Sie hörte Carl Stamitz‘ „Konzert für Klarinette, Fagott und Orchester“. Nach dem beeindruckenden Konzert stand für sie fest: Ich lerne Fagott. Ersten Unterricht erhielt Wittemann bei einem Orchestermusiker des Staatstheaters Wiesbaden, der sie förderte. Die talentierte Bläserin machte rasante Fortschritte: Bereits nach zwei Jahren Unterricht war sie beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ erfolgreich und wurde ins Landesjugendorchester Hessen eingeladen. „Mir machte das Orchesterspiel großen Spaß. Ich wollte unbedingt Berufsmusikerin werden“, sagt Annette Wittemann. Der Wunsch ging in Erfüllung. Nach dem Abitur begann sie an der Stuttgarter Musikhochschule mit dem Fagottstudium. Dem Lehrdiplom folgte ein Aufbaustudium zur Künstlerischen Reifeprüfung: Bei Professor Aki Koyama erhielt die Fagottistin den Feinschliff.

Bereits als Studentin unterrichtete Annette Wittemann an Musikschulen. Die pädagogische Arbeit ist ihr genauso wichtig wie das Orchesterspiel. „Ich möchte meinen Schülerinnen und Schülern nicht nur die instrumentaltechnischen Grundlagen vermitteln, sondern ihnen darüber hinaus einen Zugang zur vielfältigen Ausdruckswelt der Musik öffnen“. Einige ihrer Eleven haben beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ Bundespreise erspielt, manche sind Berufsmusiker geworden. „Musizieren ist ein sozialer Akt“, betont Annette Wittemann. Dass ihre Schüler in Ensembles musizieren, ist der Pädagogin sehr wichtig. Und auch bei Amateurorchestern sind die von ihr ausgebildeten Fagottistinnen und Fagottisten gefragt.

Da trifft es sich gut, dass die Musikschule „FILUM“ in Filderstadt ein breites Spektrum an Ensembles anbietet - sehr zur Freude von Annette Wittemann, die am FILUM als Fachbereichsleiterin die Holz- und Blechbläserklassen koordiniert.

Und was macht die Musikerin, wenn sie nicht gerade auf der Konzertbühne oder im Unterrichtsraum aktiv ist? „Die Familie ist mir sehr wichtig.“ Auch an Kunst und Literatur sei sie sehr interessiert. Und natürlich am Sport: Wann immer es die Zeit erlaubt, schwingt sie sich auf ihr Pedelec oder genießt die Natur beim Wandern.

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