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Fiasko in Afghanistan

Zum Artikel „Ein Stück von mir bleibt in Afghanistan“ vom 12. Juni

In dem Artikel geht es um das Einzelschicksal des ehemaligen Soldaten Michael H., der seit seiner Zeit in der Bundeswehr in Afghanistan unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Die Empathie mit diesem Menschen ist groß, weil wir sein Gesicht, den Namen und seine Geschichte kennen. Michael H. ist damit nur ein weiteres Opfer eines Krieges „gegen den Terror“ (USA: „War on Terror“). Von den meis­ten Opfern kennen wir nicht einmal den Namen. Wie konnte es so weit kommen? Neben der Militäroperation wurde in der deutschen Öffentlichkeit die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Afghanistans als Einsatzziel betont. Die Warnungen der Friedensbewegung, der dortigen Bevölkerung dadurch noch mehr Leid und Elend zu bringen, wurden überhört. Die Bilanz ist erschütternd: Der Terrorismus ist stärker denn je, Einfluss und Gebietskontrollen der Taliban sind größer als im Jahr 2001. Daneben sind 2,7 Millionen Menschen ins Ausland geflohen.

Die Organisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges - Ärzte in sozialer Verantwortung) schätzt die Zahl der direkten und indirekten Todesopfer seit 2001 auf 220 000. Anschläge auf Politiker, Journalisten und Sicherheitskräfte sind an der Tagesordnung. Die Tötung von rund 100 Menschen durch die Bundeswehr in Kunduz 2009 bleibt in Erinnerung. Seit Dezember 2016 gab es dennoch aus Deutschland Sammelabschiebungen von über 1077 Personen nach Afghanistan. Von den Abermilliarden aus Deutschland und den USA ganz zu schweigen, schließlich kostet der Bau von Brunnen und Mädchenschulen etwas.

Deutschlands unrühmliche Rolle in Afghanistan muss mit dem sofortigen Abzug aller Bundeswehrsoldaten beendet und der Weg freigemacht werden für eine friedliche Diplomatie. Dazu zählt auch die Neubewertung und Einstellung der Rüstungsexporte. Dies wäre die angemessene, deutsche Verantwortung im 21. Jahrhundert.

Hüseyin Sahin, Bundestagskandidat Die Linke, Dettingen

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