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Finalträume enden in Quarantäne

Basketball Mehrere Corona-Verdachtsfälle nach dem Spiel in Bremerhaven bringen Kirchheim das Aus im Titelrennen. Heidelberg feiert den Aufstieg. Von Bernd Köble

Versteinerte Mienen: Kapitän Kevin Wohlrath, Nico Brauner und Till Pape (von links) können das unverhoffte Aus im Titelrennen ni
Versteinerte Mienen: Kapitän Kevin Wohlrath, Nico Brauner und Till Pape (von links) können das unverhoffte Aus im Titelrennen nicht fassen.Foto: Sven Peter

Bitteres Ende einer ungewöhnlichen Saison. Bis zum Wochenende durften die Knights darauf hoffen, was vor Monaten niemand für möglich gehalten hätte: ein Entscheidungsspiel um Aufstieg und Finaleinzug in der Pro A. Doch am Ende war der Friede in der Pandemie brüchig und der spektakuläre Sieg nach Verlängerung am vergangenen Donnerstag in Bremerhaven teuer erkauft. Vermutlich haben sich Kirchheimer Spieler und Betreuer während des Spiels gegen die Eisbären angesteckt. Bis gestern war von einem positiven PCR-Test die Rede. Doch gleich mehrere Personen aus Mannschaft und Umfeld der Knights klagen seit Montag über deutliche Symptome. Daraufhin wurden ges­tern alle einem PCR-Test unterzogen, die an der Nordseeküste dabei waren.

Schon vor Beginn des Spiels in Bremerhaven hatte der Schnelltest bei einem der drei Unparteiischen angeschlagen, worauf der unverrichteter Dinge wieder abreisen musste. Die Eisbären hatten am Montag zuvor Schwenningen empfangen, bei denen danach gleich mehrere Spieler positiv getestet wurden.

Damit ist die Saison für die Knights gelaufen. Durch die Kontakte in Bremerhaven ist die gesamte Kirchheimer Mannschaft bis mindestens 9. Mai unter Quarantäne gestellt. Sollten die ausstehenden Tests positiv sein, würde sich diese Frist verlängern. Die Liga hatte ihre Entscheidung über eine Fortführung der Play-offs am Montag noch vertagt und sich auf die Spielordnung berufen. Nach Annullierung der beiden letzten Partien mit Schwenninger Beteiligung hätte ein Entscheidungsspiel der beiden punktgleichen Teams aus Kirchheim und Heidelberg bis spätestens 9. Mai den Gruppensieger ermitteln sollen. Doch dazu kommt es jetzt nicht mehr. Stattdessen empfangen die Heidelberger am Freitag Leverkusen im SNP-Dome zum ersten Finale um die Meisterschaft. Das Rückspiel findet am Sonntag in Leverkusen statt.

Perovic schickt Glückwünsche

In Kirchheim war die Enttäuschung gestern groß. Knights-Geschäftsführer Chris Schmidt spricht vom „maximal bitteren Ende“ einer grandiosen Saison. „Wir hätten die Chance gerne am Leben erhalten“, sagt er. „Jetzt bleibt nichts anderes, als nach vorne zu schauen und in den nächsten Jahren etwas Ähnliches zu schaffen.“ Wie fair das unverhoffte Ende ist? „Ich will mir das nicht schönreden“, sagt Schmidt. „Es waren in diesem Fall keine guten Lösungen möglich.“

Enttäuschung auch bei Headcoach Igor Perovic, der gestern schon mal Glückwünsche an seinen Freund und Kollegen Frenkie Ignjatovic nach Heidelberg sandte. „Natürlich hätten wir diese tolle Saison gerne auf dem Spielfeld beendet“, sagt er und räumt ein: „Als ich von den ersten Tests in Bremerhaven erfuhr, wusste ich, dass es vorbei ist.“ Frust auch in der Mannschaft: „Wir waren so kurz davor, die zweite große Überraschung nach Leverkusen zu sein“, meint Knights-Kapitän Kevin Wohlrath. „Nach den letzten Spielen war jeder von uns heiß auf mehr.“ Jetzt heißt es erst einmal ausharren, obwohl die Saison bendet ist.

Für Frenkie Ignjatovic dagegen steht alles auf Anfang. Für den 54-Jährigen, der mit dem verpassten Aufstieg vor neun Jahren mit den Kirchheimern den bis dato bittersten Moment seiner Karriere erlebte, geht nun ein Lebenstraum in Erfüllung. Auch wenn er den noch gar nicht fassen kann. „Die vielen Wechselbäder in den vergangenen Tagen gingen an die Substanz“, gesteht er. „Heute Abend werde ich mit der Familie vermutlich ein Fläschchen öffnen.“ Danach steht Ignjatovic ein heißer Sommer bevor. Als künftiger BBL-Trainer braucht er eine A-Lizenz, doch die hat er nicht. Noch nicht: „Bisher habe ich das immer vor mit her geschoben“, sagt er. „Jetzt werde ich das endlich nachholen.“

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