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Fit auf Rollen und beim Einmaleins

Schule Das Lenninger SBBZ nimmt an „Jugend trainiert für Olympia & Paralympics“ teil. Einmal in der Woche findet der Unterricht am Alb-Skistadion der Skizunft Römerstein in Böhringen statt. Von Anke Kirsammer

Auf Inlinern über die Stangen zu steigen, fällt manchen ohne Hilfe gar nicht so leicht. Die Mädchen aus dem Wettkampfteam (Fotos
Auf Inlinern über die Stangen zu steigen, fällt manchen ohne Hilfe gar nicht so leicht. Die Mädchen aus dem Wettkampfteam (Fotos unten links und rechts) sind sportlich unterwegs. Doch ob gemächlich oder flott: Alle sind mit Feuereifer dabei.Fotos: Carsten Riedl

Konzentriert hebt Jenet erst das rechte Bein und dann das linke, bevor sie auf ihren Inlineskates über die Ziellinie rollt. „59.35 - wieder unter einer Minute!“, ruft Sandra Rapp. Anerkennend klopft die Lehrerin der Neunjährigen auf den Helm. „Unsere Profis“, sagt sie und zieht den Vergleich zum Einmaleins. „Da muss man auch viel üben, bis es klappt.“ Für die Schülerinnen und Schüler des Lenninger Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) mit Förderschwerpunkt Lernen ist heute ein besonderer Tag - der Tag, an dem sie bei „Jugend trainiert für Olympia & Paralympics“ teilnehmen. Mit der Sonne strahlen sie um die Wette, wenn sie nach geduldigem Ausharren endlich an der Reihe sind. Aufgebaut sind die Hütchen, Kegel und Stangen am Alb-Skistadion in Böhringen. „Hier haben wir optimale Bedingungen“, sagt Sandra Rapp. Im Januar wurde die langjährige Lehrerin zur Konrektorin der früheren Förderschule ernannt, die zwölf Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse besuchen.

Bereits seit einem Jahr findet der Unterricht jeweils an einem Tag pro Woche auf dem Gelände der Skizunft Böhringen (SZ) statt. Ermöglicht hat das Gabi Kazmaier. Sie unterrichtet nicht nur am SBBZ, sondern ist mit ihrem Bewegungszentrum auch von der Pfulb dort hingezogen. „So können wir das Haus von der SZ und die Geräte vom Bewegungszentrum nutzen“, erklärt Sandra Rapp. In einem prallvollen Fotobuch sind alle Aktivitäten vom Basteln bis zum Pfannkuchenbacken dokumentiert. „Die Kinder schreiben am Laptop die Texte und wählen die Fotos aus“, so die Sonderpädagogin.

Seit Anfang Juli wurde für „Jugend trainiert“ eifrig geübt. Coronabedingt treffen die Schulen bei dem Wettkampf nicht aufeinander. Stattdessen findet er digital als „Schulsport-Stafette“ statt. Vier Kinder bilden das eigentliche Wettkampfteam, aber auch die anderen Mädchen und Jungen gehen mit einer Startnummer auf dem Rücken auf die Strecke. Mit etwas Hilfe sind sie ruckzuck mit Schützern, Helm und Inlinern ausgerüs- tet. Während die einen noch das Rückwärtsfahren trainieren und sich freuen, wenn sie den „Dreh raushaben“, hilft Fynn der Schulbegleiterin Sandra Schneider beim Vermessen des 30 Meter langen Parcours. Gar nicht so einfach mit einem nur zwei Meter langen Zollstock. 100 Zentimeter sind ein Meter, lernt der Neunjährige. Dass er den Meterstab 15 Mal hintereinander auf den Boden legen muss, um den Weg vom Start bis zum Wendepunkt zu markieren, löst Staunen und ein regelrechtes Aha-Erlebnis bei ihm aus. Ganz nebenbei fließt so auch Mathematik ein. Sandra Rapp nennt einen weiteren Effekt: „Über den Sport kommen wir in Beziehung mit dem Kind, das Erlebte verbindet uns“, sagt sie. Hinfallen, aufstehen, durchhalten und nicht aufgeben - all das seien Dinge, die die Kinder beim Sport lernten. Und wenn es bei Mathe oder Deutsch mal nicht so klappe, könne man aus gemeinsamen Erfahrungen beispielsweise beim Tandemfahren schöpfen.

Auch dem Bewegungsdrang der Schülerinnen und Schüler kommen Sandra Rapp und ihre beiden Kolleginnen mit dem ausgedehnten Sportangebot entgegen. Damit sich die Kinder auch in den normalen Pausen austoben können, wurde der Schulhof attraktiver: Dort stehen jetzt neben dem Klettergerüst ein Karussell und mehrere Holzelemente.

Gern holt sich das Kollegium Schützenhilfe von außen. Beispielhaft nennt Sandra Rapp Kräuterführungen durch Heike Keller. Super fände sie es, wenn sich Leute finden ließen, die mit den Schülerinnen trommeln oder anderweitig Musik machen würden. Auch jemand mit handwerklichem Geschick würde den Schulalltag bereichern. Bereichert wird der in jedem Fall durch viele Fotos, die im Eingangsbereich der Schule hängen. Schon 24 Stunden nach dem Event in Böhringen prangen dort Bilder, auf denen Kinder stolz ihre Urkunden präsentieren. Ob der Einzug ins Finale winkt, hin oder her: „Das war ein schöner Tag“, hat eine Schülerin dazugeschrieben.

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