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Flieger retten Leben im Pazifik

Mission Matthias Keppler ist Pilot und gläubiger Christ. Seit vier Jahren koordiniert er für die Pacific Mission Aviation von Dettingen aus Hilfsflüge für Menschen auf entlegenen Inseln im Südpazifik. Von Thomas Zapp

Zum Einsatzgebiet der Kleinflugzeuge gehören insgesamt rund 2000 tropische Inseln.Foto: pr
Zum Einsatzgebiet der Kleinflugzeuge gehören insgesamt rund 2000 tropische Inseln.Foto: pr

Die Begegnung mit dem Häuptling auf Ulithi wird Matthias Keppler wohl nie vergessen. „Er sagte zu mir, wenn ich nicht von der Pacific Mission Aviation käme, hätte ich einen Tag Zeit, die Insel zu verlassen. Ansonsten würde er sich daran erinnern, dass seine Vorfahren Kannibalen waren“, erzählt der 57-Jährige in seinem Dettinger Büro.

Er kann sich heute an die Geschichte mit einem Lächeln erinnern, denn tatsächlich war er ja im Auftrag der Pacific Mission Aviation - kurz PMA - auf dem südpazifischen Atoll. Es gehört zu Mikronesien, einer Föderation von mehr als 2000 tropischen Inseln im Südpazifik. Für die meisten Bewohner ist das nächste Krankenhaus buchstäblich unerreichbar, manche haben nicht einmal eigenen Strom. Die Flugzeuge der PMA sind daher ständig zwischen den Inseln unterwegs, um medizinische Notfälle in die nächste Krankenstation zu bringen, Medikamente zu liefern oder einfach bestimmte Lebensmittel.

Auf dem Internationalen Flughafen von Manila hat die PMA seit 30 Jahren einen eigenen Hangar. So können sie Notfälle auch in moderne Kliniken in die philippinische Hauptstadt bringen. Das ist wie ein Sechser im Lotto, denn heute wäre der Hangar dort unbezahlbar, sagt Matthias Keppler.

Als die ersten Impfungen gegen die Corona-Pandemie aus den USA auf die Hauptinsel Pohnpei geliefert wurden, fehlten immer noch 1200 Seemeilen bis zum Bestimmungsort Yap im Westpazifik. Dafür waren die Queen Airs der PMA nicht ausgelegt, also wurden die Impfdosen mit der Caroline Island Air nach Chuuk gebracht und von dort mit der PMA verteilt. Außerdem konnten sie noch einen Covid-Infizierten mit einem Sanitäter abholen und in ein Krankenhaus bringen. Den Treibstoff für die beiden Flüge nahm der Pilot in Fässern mit, denn auf Chuuk gab es keine Tankmöglichkeit. Der Aufwand war lebensrettend. „Ein Covid-Ausbruch in Mikronesien könnte aufgrund der schwachen Immunsysteme der Insulaner katastrophale Folgen haben“, sagt Matthias Keppler. Die Menschen dort haben viele Ängste, einige fanden aber Trost im christlichen Glauben. Da finden sie bei der Mission Ansprechpartner. „Wir üben aber keinen Druck aus“, betont er.

Der praktizierende Christ und dreifache Familienvater ist passionierter Pilot und seit vier Jahren der Geschäftsführer der PMA in Deutschland. Vorher war er Dozent für Theologie in Esslingen, davor hat er mehrere Jahre für die Jesuitenmission eine Gemeinde im spanischen Castellón aufgebaut. Heute koordiniert der gebürtige Aidlinger aus einem gemütlichen Büro in einem ausgebauten Dachgeschoss in Dettingen Hilfsflüge in den Vereinig­ten Staaten von Mikronesien mit Guam und der Republik Palau, auf den Philippinen in Manila, den Polillo-Inseln und Mindoro. Das Gebiet hat eine Ost-West-Ausdehnung von rund 4000 Kilometern, allein in Mikronesien leben etwa 500 000 Menschen.

Alle zwei bis drei Jahre versucht er, für eine Zeit dort zu sein. Denn Vertrauen aufzubauen, ist wichtig. Acht Flugzeuge haben sie im Einsatz, zweimotorige Beech­crafts und drei Cessnas. Zum Team gehören rund 40 einheimische und zehn „westliche“ Mitarbeiter. Die Rekrutierung ist zuweilen heikel, denn man muss sich genau überlegen, welche Positionen man mit Einheimischen besetzen kann. Das Thema Finanzen muss jemand mit westlicher Erfahrung machen, weiß Matthias Keppler. „Ein Einheimischer würde immer der eigenen Familie helfen, wenn sie Geld braucht.“ Dass man dafür nicht in die Kasse des Arbeitgebers greifen darf, ist aber den Menschen kaum zu vermitteln. Anders herum müssen auch gut ausgebildete „Westler“ bereit sein, Anordnungen von Einheimischen zu akzeptieren, auch wider besseres Wissen. „Der Status wird dort vererbt, nicht erarbeitet.“ Auch jemanden zwei Stunden warten zu lassen, wird nicht als unhöflich empfunden. Damit muss man klarkommen, sonst wäre der soziale Frieden empfindlich gestört.

Das übergeordnete Ziel der Arbeit sei ein „nation building“, den Menschen das Leben auf den Inseln einfacher zu machen und damit ein Abwandern weniger erstrebenswert. „Wir wollen zeigen, dass das Leben auf den Inseln nicht schlechter ist. Denn wenn die Menschen von dort in die Städte gehen, kommen sie unter die Räder“, sagt Keppler.

Sein Netzwerk ist wichtig: Aktuell lassen zwei Unternehmer 20 Wasser-Filteranlagen für die Inseln bauen und spenden sie. Kennengelernt hat sie der PMA-Geschäftsführer auf einer christlichen Freizeit in Spanien und für das Projekt gewonnen. Wenn die Anlagen fertig sind, werden sie auf einem Firmenhof in Dettingen in Container verladen. Von dort geht die Reise in den Pazifik. Ein weiteres Hilfsprojekt, das Matthias Keppler von Dettingen auf den Weg bringen konnte.

Der Geschäftsführer der PMA Deuutschland schätzt sein gemütliches Büro in Dettingen. Foto: Carsten Riedl
Der Geschäftsführer der PMA Deuutschland schätzt sein gemütliches Büro in Dettingen. Foto: Carsten Riedl
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