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„Für viele der letzte Ausweg aus einer Krise“

Soziales Die Schuldner- und Insolvenzberatung im Landkreis Esslingen besteht seit 20 Jahren.

Kreis. Bei den Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen im Landkreis Esslingen erhalten Betroffene seit 20 Jahren kostenlose Hilfe auf ihrem Weg aus der Überschuldung. Zu den Partnern gehören neben dem Landkreis auch der Kreisdiakonieverband und das Deutsche Rote Kreuz. In jeder der fünf Beratungsstellen sind 1,5 Stellen mit Fachkräften der Schuldnerberatung besetzt. Landkreis, Städte und Träger teilen sich die Personalkosten zu unterschiedlichen Anteilen.

Katharina Kiewel, Sozialdezernentin des Landkreises, lobt: „Tausenden Menschen konnte in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein finanzieller Neuanfang ermöglicht werden. Für viele sind die Beratungsstellen im Landkreis der letzte Ausweg aus einer existenzbedrohenden Krise.“

Bereits Mitte der 80er-Jahre spezialisierten sich im Landkreis Esslingen die ersten Sozialberater auf die Beratung von überschuldeten Menschen und zählten damit bundesweit zu den Vorreitern auf diesem Gebiet. Auch heute ist die Schuldner- und Insolvenzberatung im Landkreis noch etwas Besonderes: öffentliche Verwaltung und freie Wohlfahrtspflege teilen sich nicht nur die Trägerschaft, sondern auch die fünf Beratungsstellen sind miteinander vernetzt und arbeiten eng zusammen.

Die Anforderungen an die Kompetenzen der Schuldnerberater/innen sind gestiegen, weil immer mehr gesetzliche Regelungen in der Beratung zu beachten sind und neue Aufgabenbereiche übertragen wurden, berichten übereinstimmend die Landkreisexperten. Der Fokus liegt weiterhin auf der ganzheitlichen Schuldnerberatung. Oftmals werden Themen bearbeitet, die über die reine Regulierung hinausgehen: Arbeitslosigkeit, prekäre Arbeitsverhältnisse, Krankheit oder Scheidung.

„Die Aufgabe ist sehr anspruchsvoll“, weiß Katharina Kiewel. „Bei Erfüllung dieser ganzheitlichen Beratung bewegen sich die Schuldnerberater im Spannungsverhältnis zwischen rechtlicher sowie wirtschaftlicher Abwicklung und psychosozialer Beratung.“ Und ständig gibt es Änderungen: Im Sommer 2019 wurde die Richtlinie des Europäischen Parlamentes und des Rates zur „Restrukturierung und Insolvenz“ verabschiedet. Sie sieht vor, dass eine Restschuldbefreiung in drei Jahren möglich ist. Den Partnern der Schuldner- und Insolvenzberatung im Landkreis Esslingen ist bis heute nicht bekannt, wie die Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht aussehen wird. pm

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