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Gar nichts gelernt?

Zumindest, was den Sportbetrieb betrifft, muss die Frage gestattet sein: Hat man denn aus dem Frühjahr gar nichts gelernt? Dass die Infektionszahlen im Herbst steigen würden, war zu erwarten. Dass dies einhergehen würde mit dem Start des Spielbetriebs in den Hallen ebenso. Doch kaum steht, wie im Handball, der erste Spieltag vor der Tür, regiert Ratlosigkeit, wird über Zuständigkeiten und Rechtsgrundlagen gerätselt, kultiviert man in Verbandsbüros, Behörden und Rathäusern das gepflegte Verwirrspiel.

Empfehlungen statt klarer Worte, daraus spricht das verzweifelte Bemühen der Politik, Wort zu halten. Ein zweiter Lockdown - so weit soll es nicht kommen. Doch was als Handeln mit Augenmaß verstanden werden soll, bringt die Verantwortlichen in Vereinen wie schon im März in die Bredouille. Wo klare Vorgaben fehlen, sind sie es, die Entscheidungen treffen und nach außen vertreten müssen. Meist ohne rechtliche Grundlage.

Dabei ist die Frage, ob mit oder ohne Zuschauer, längst nicht die einzige, die Vereine im Moment bewegt. Was ist, wenn Spieler Eigenverantwortung über den sportlichen Ehrgeiz stellen, wenn Eltern ihre Kinder einfach zu Hause lassen oder Mannschaften sich weigern, einen Gegner zu empfangen, bei dem der Verdacht mitreist? Was geschieht mit Spielen, die ausgefallen sind aus Gründen, die in keinem Regelwerk auftauchen, und wer haftet für finanzielle Schäden?

Mehr Frust war wohl selten in Vereinen, die auch ohne Virus genügend Gründe fänden, sich um die Zukunft zu sorgen. Abteilungsleiter, Jugendtrainer, Schriftführer oder Schatzmeister - Sie alle haben kein gemeinsames Rezept gegen die Krise, aber eine klare Forderung an Politik und Verbände: Sagt endlich, was Sache ist.

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