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Gauner machen sich Virus zunutze

Kriminalität Die Polizei warnt vor Betrügern, die die Corona-Pandemie und die Angst der Menschen für ihre Geschäfte missbrauchen. Sowohl Privathaushalte als auch Betriebe sind betroffen. Von Sabrina Kreutzer

Es ist Samstagabend, 21.30 Uhr. Das Telefon klingelt, die Nummer auf dem Display ist unbekannt. „Hier ist der Toilettenpapier-Notdienst“, meldet sich eine männliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Der Herr bietet verschiedene Optionen an, darunter ein Toilettenpapier-Monatsabo für 39 Euro.

Das ist nur eine von bisher wenigen neuen Maschen, die sich Betrüger einfallen lassen, um die Coronakrise für sich zu nutzen. Das Polizeipräsidium Reutlingen und das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg warnen davor, dass sich solche Fälle häufen könnten. „Die Betrüger machen sich die Sorgen der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Coronavirus schamlos zunutze. Das ist eine besonders abstoßende und niederträchtige Vorgehensweise skrupelloser Krimineller“, sagt Ralf Michelfelder, Präsident des Landeskriminalamtes.

Björn Reusch, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen, kennt noch andere Fälle: „Maschen sind zum Beispiel das Anbieten von schwer erhältlichen Produkten wie Atemschutzmasken oder ähnlichem in sogenannten Fake-Shops. Wer sich darauf einlässt, ist sein Geld los und bekommt keine Ware.“ Auch Produktfälschungen soll es geben.

Der bereits bekannte Enkeltrick taucht in Zeiten von Corona in einer neuen Variante auf: Laut Polizei wird nun behauptet, der angebliche Enkel benötige das Geld für die Behandlung seiner Virus-Erkrankung. „Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen“, warnt LKA-Präsident Michelfelder.

In anderen Fällen geben sich die Betrüger am Telefon als Ärzte aus. Sie behaupten, der Angerufene stehe im Verdacht, infiziert zu sein. Es werde eine Person vorbeikommen, die einen Test macht. Die Kosten hierfür lägen bei 200 Euro. „Die Kriminellen geben sich auch als Amtsträger oder Gesundheitsamtsmitarbeiter aus, um eventuell in die Wohnungen der Menschen zu gelangen“, sagt Pressesprecher Reusch. Tatsache ist: Es werden niemals unangemeldete Corona-Tests an der Haustür durchgeführt. Auch gibt es keine flächendeckenden Tests. „Ein Corona-Test muss angefordert werden“, betont die Polizei. Tester kommen nur auf Verordnung des behandelnden Arztes oder des Gesundheitsamtes an einem abgestimmten Termin nach Hause. Wenn der Test ärztlich angeordnet ist, entstehen auch keine Kosten.

Viele Menschen mit Vorerkrankungen oder ältere Menschen lassen sich wegen der Infektionsgefahr bei ihren alltäglichen Besorgungen helfen. Auch hier hat die Polizei Tipps, um in solchen Fällen nicht auf Betrüger reinzufallen. Bei der Übergabe der Einkäufe sollte auf die eigene Sicherheit geachtet werden: Besorgungen sollten vor der Haustür abgestellt werden, um persönlichen Kontakt zu vermeiden. Vorab kann vereinbart werden, wann und wie der Einkauf bezahlt wird. Jedoch sollte niemals eine EC- oder Kreditkarte ausgehändigt werden.

Offizielle Homepages nutzen

Nicht nur Privatleute haben die Betrüger im Visier, auch Firmen werden angegangen: „Mit verlockenden, aber gefälschten ,Soforthilfe-Versprechen‘ versuchen Straftäter offenbar auch, Daten von Firmen abzugreifen, um sie für spätere Betrugshandlungen auszunutzen“, sagt Björn Reusch. Deshalb rät die Polizei den Unternehmen: „Nutzen Sie für Anträge auf Soforthilfe ausschließlich die Internetseiten von offiziellen Landesstellen. Dies sind Ministerien und Landesförderbanken mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammern.“

Sich selbst schützen: Die Polizei gibt Tipps

Gefälschte Online-Shops können laut Polizei folgendermaßen erkannt werden: Die Produkte sind ungewöhnlich günstig und es wird mit ständiger Verfügbarkeit geworben, das Impressum ist nicht oder nur unvollständig vorhanden und die Ware ist nur gegen Vorkasse erhältlich. Im Internet gibt es oft schon Hinweise auf Fake-Shops. Wichtig ist zudem, nur seriöse Bezahldienste zu nutzen oder auf Rechnung zu kaufen. Panik- oder Spontankäufe sollten nie getätigt werden.

Anrufer, die vorgeben, Informationen über erkrankte Verwandte zu haben, sollte man auffordern, den Namen des angeblichen Angehörigen zu nennen. Ein Rückruf unter einer bekannten Nummer des richtigen Angehörigen verschafft Klarheit. Details zur finanziellen oder familiären Lage dürfen nie preisgegeben werden. Wird man telefonisch zu einem kostenpflichtigen Test aufgefordert, solle man auflegen und sich an den Hausarzt oder das Gesundheitsamt wenden.

An der Haustür gilt es, besonders aufmerksam zu sein. Niemals werden unangekündigt Corona-Tests durchgeführt. Unbekannte sollten keinesfalls ins Haus gelassen werden. Auch Geld sollte nicht übergeben werden. Menschen, die man nicht kennt, können auch zu einem späteren Zeitpunkt wieder bestellt werden, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist.

Einkaufshelfer sollten ebenfalls sorgfältig gewählt werden. Am besten eignen sich Menschen, die man persönlich kennt und denen man vertraut. Infos zu Nachbarschaftshilfe und Lieferdiensten gibt es etwa bei den Rathäusern. sk

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