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Gegen das Vergessen anschreiben

Kirchheim. Eine der wichtigsten Aufgaben der internationalen Organisation Amnesty International ist es, sich für Menschen auf der ganzen Welt einzusetzen, die wegen ihres Eintretens für die Menschenrechte oder wegen ihrer politischen Überzeugungen verfolgt werden. AI fordert in vielen Ländern dazu auf, an Regierungen Briefe zu schreiben, in denen sich Menschen für die Verfolgten einsetzen. Internationale Appelle können so dazu beitragen, die Freilassung von Gefangenen zu erreichen oder die Haftbedingungen zu erleichtern. Auch das Verbleiben spurlos verschwundener Menschen konnte aufgeklärt werden, wenn in Briefen hartnäckig nach ihrem Schicksal gefragt wurde. Die Kirchheimer Gruppe von AI bittet um Unterstützung für die Briefkampagne. Die fertig formulierten Briefe können im Welt-Laden in der Dettinger Straße abgeholt werden.

Anastasia Shevchenko

Anastasia Shevchenko, Koordinatorin der Bewegung Open Russia in Rostow am Don, steht seit dem 23. Januar 2019 unter Hausarrest. Die Menschenrechtlerin ist die erste Person, gegen die unter dem repressiven Gesetz über „unerwünschte Organisationen“ ein Strafverfahren eingeleitet worden ist. Bei einer Verurteilung drohen Anastasia Shevchenko bis zu sechs Jahre Haft. Sie wurde am 21. Januar 2019 festgenommen und wegen „wiederholter Beteiligung an den Aktivitäten einer unerwünschten Organisation“ unter Anklage gestellt. Im Januar 2020 jährt sich zum ersten Mal ihre Festnahme und der Beginn ihres Hausarrests. Zudem steht dann die Entscheidung an, ob ihr Fall vor Gericht gebracht wird.

Tran Thi Nga

Tran Thi Nga wurde am 21. Januar 2017 in Vietnam festgenommen unter dem Vorwurf, „Propaganda gegen den Staat betrieben“ zu haben. Sie ist Mitglied der unabhängigen vietnamesischen Gruppe Frauen für Menschenrechte und setzt sich friedlich für Land- und Arbeitsrechte sowie den Umweltschutz ein. Grund für die Festnahme war offenbar ihre Teilnahme an friedlichen Protesten nach der Formosa-Katastrophe, die 2016 zu einem Fischsterben in zahlreichen Provinzen Vietnams geführt hatte. Am 25. Juli 2017 verurteilte ein Gericht in Ha Nam die Menschenrechtsaktivistin zu neun Jahren Haft und anschließendem fünfjährigen Hausarrest. Tran Thi Nga ist eine gewaltlose politische Gefangene, die sofort und bedingungslos freigelassen werden muss, weil sie lediglich aufgrund ihrer Menschenrechtsarbeit inhaftiert ist.

Mahienour el-Masry, Alaa Abdel Fattah und Mohamed el-Baqer

Am 22. September 2019 nahmen ägyptische Sicherheitskräfte die bekannte Menschenrechtsanwältin Mahienour el-Masry fest, als sie sich bei der Staatsanwaltschaft der Staatssicherheit (SSSP) über den Stand der Ermittlungen gegen Aktivistinnen erkundigen wollte, die kurz zuvor bei Protesten festgenommen worden waren. Ihr wird „Zusammenarbeit mit einer Terrorvereinigung zur Erlangung ihrer Ziele“ sowie die Verbreitung von „Falschmeldungen“ vorgeworfen.

Am 29. September wurde der Aktivist Alaa Abdel Fattah auf der Polizeiwache des Kairoer Stadtbezirks Dokki festgenommen. Die Polizei sagte seiner Mutter, dass er zur SSSP gebracht worden sei. Später erschien Mohamed el-Baqer, einer der Rechtsbeistände von Alaa Abdel Fattah, bei der SSSP, woraufhin man ihn ebenfalls festnahm. Beiden Männern wird vorgeworfen, „einer illegalen Organisation beigetreten“ zu sein, „ausländische Finanzmittel erhalten“ zu haben, „falsche Nachrichten verbreitet“ und „die sozialen Medien missbraucht“ zu haben.

Im Gefängnis wurden beide Männer wiederholt bedroht und beleidigt, Alaa Abdel Fattah wurde außerdem geschlagen und getreten.

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