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Gegenwart als Geschichte von morgen

Rückblick Der Förderkreis „Alt-Owen“ besteht seit 20 Jahren. Von Anfang an hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, die Vergangenheit der Stadt am Fuß der Teck für die Zukunft zu bewahren. Von Andreas Volz

Im Rückblick auf 20 Jahre „Alt-Owen“ berichtete Rainer Laskowski, der Erste Vorsitzende des Geschichtsvereins, auch über das ers
Im Rückblick auf 20 Jahre „Alt-Owen“ berichtete Rainer Laskowski, der Erste Vorsitzende des Geschichtsvereins, auch über das erste größere Projekt: die Ausstellung vom November 2002 über die Geschichte der Burg Teck. Foto: Markus Brändli

Richtig alt ist der Förderkreis „Alt-Owen“ noch nicht. Aber 20 Jahre hat der Owener Geschichtsverein trotzdem bereits hinter sich - Zeit genug also, um bei der Mitgliederversammlung Rückschau zu halten. Zur unbestrittenen Notwendigkeit eines solchen Vereins sagte Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger: „Nur wenn wir wissen, woher wir kommen, wissen wir auch, wohin wir gehen.“ Besonders dankbar zeigte sie sich deshalb für das Maientagsbuch, das der Förderkreis vor wenigen Monaten frisch herausgebracht hat: „Wir wollen dieses Buch allen Grundschülern zur Verfügung stellen.“ Das Buch zeige den Kindern, welcher Tradition sie folgen, wenn sie - nach überwundener Pandemie - wieder einen „richtigen“ Maientag feiern können.

Für Rainer Laskowski, seit 20 Jahren der Erste Vorsitzende des Vereins, steht der Owener Maientag ohnehin in einem viel größeren historischen Zusammenhang: „Wo gibt es das schon, dass man eine Tradition über 350 Jahre lang am Leben hält?“ Deswegen wäre es für ihn mehr als eine Überlegung wert, sich mit anderen Städten zusammenzuschließen, um vergleichbare Kinderfeste als Ganzes in das immaterielle Weltkulturerbe aufnehmen zu lassen.

Das Maientagsbuch war die bislang letzte größere Aktion der „Alt-Owener, die mit ihren Unternehmungen - wie viele andere auch - seit anderthalb Jahren unter den corona-bedingten Einschränkungen leiden. Trotzdem, oder gerade deshalb erinnerte Rainer Laskowski an diverse Veranstaltungen der vergangenen 20 Jahre. Als erste größere Aktion ist hier die Ausstellung „Die Teck im Spiegel der Zeiten“ zu nennen, die der Verein im November 2002 in der Bernhardskapelle veranstaltet hat.

Schon die Gründung war historisch

Schon die Gründungsversammlung des Förderkreises hat aus heutiger Sicht historische Dimensionen. Zum einen, weil eine der treibenden Kräfte hinter dem Verein - das Gründungs- und spätere Ehrenmitglied Fritz Nuffer - die Fertigstellung des Maientagsbuchs nicht mehr erleben konnte. Zum anderen, weil die Versammlung damals im Gasthaus Adler stattgefunden hat. Das Gebäude aus dem späten 17. Jahrhundert steht zwar noch. Aber es steht weitgehend leer, wir nicht mehr als Gasthaus genutzt und wartet seit längerer Zeit auf seinen Abbruch.

Erinnerungsstücke aller Art - auch Besteck mit der Gravur „Ernst Scheu z. Adler“ - lagern im Magazin des Geschichtsvereins, über das Angelika Friedrich berichtete. Sie zeigte Fotos, auf denen Kummetschellen für Pferde zu sehen sind, historische Gewichte oder verzierte Dachplatten. Die Fotosammlung beläuft sich auf rund 3 500 Bilder - und sie behandelt auch die Gegenwart bereits als die Geschichte von morgen: „Wir haben auch den Impfbus fotografiert, um Corona zu dokumentieren.“ An Führungen in der Bernhardskapelle, die 2002 begonnen hatten, erinnerte Angelika Friedrich ebenso wie an die Tafeln zum Stadtrundgang, der 2009 mit drei Stationen seinen Anfang nahm.

Gerhard Hummel stellte in seinem Rückblick auf 20 Jahre Vereinsgeschichte zwei weitere Publikationen in den Mittelpunkt: „17 Tage vor Kriegsende“ und „Owener Geschichten“. Im ersten Buch geht es um die Zerstörungen, die Owen am 20. und 21. April 1945 erlitten hat - zum einen durch Jagdbomberangriffe und zum anderen durch Beschuss des Oberen Städtles, nachdem die Grabenbrücke den alliierten Panzern nicht Stand gehalten hatte. Die US-Soldaten gingen von Sabotage aus und setzten die Stadt in Brand. - In den „Owener Geschichten“ geht es um Kuriositäten wie einen Läutedraht zwischen Rathaus und Amtsplatz - einen frühen Vorläufer der Telekommunikation - oder auch um die China-Reise des Georg Haas in der Zeit des Boxer-Aufstands.

Um die Jugend für Geschichte zu begeistern, veranstaltet „Alt-Owen“ regelmäßig ein Kinderprogramm. Die „Geschichtsdetektive“ bewegen sich in der Steinzeit ebenso wie auf den Spuren von Kelten und Römern oder auch der Ritter - wie der Zweite Vorsitzende Karl-Heinz Ritter berichtete. Der neue Kassenwart Holger Macho sprach das Ziel des Vereins an, die Mitgliederzahl deutlich zu erhöhen und das Durchschnittsalter der Mitglieder deutlich zu verjüngen. Außer der Jugendarbeit sollen auch digitale Medien dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen. Nur so kann der Geschichtsverein auch in die Zukunft wirken.

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