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geistliches Wort

In der Kirche hat jeder Sonntag ein Thema. Morgen lautet das biblische Motto: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ (Psalm 103). Hinter diesem Psalm steht die Überzeugung: Ohne Dank gehen die guten Erfahrungen verloren.

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Wie viel Schönes und Gutes können Menschen erleben! Im Urlaub, beim Sport, durch die Musik, bei einem feinen Essen oder in der Natur. Am schönsten ist es, wenn Menschen miteinander etwas erleben, und wenn man sich in vertrauensvoller Umgebung entfalten kann. Wie gut, wenn man auch Schweres zusammen durchsteht oder verzeihen kann.

Was wir an Schönem erleben, bekommt seine eigentliche Bedeutung durch die dankbare Erinnerung. Seelisch haltbar, seelisch spürbar werden die guten und schönen Dinge des Lebens nicht dadurch, dass es sie gibt, sondern dadurch, dass man Dankbarkeit für sie empfindet und Danke sagt. „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Sagt also Danke, betet mit Dank und lebt den Dank! Atmet den Dank ein und atmet ihn aus!

Wer Gott dankt, wechselt die guten Erfahrungen, die mit der Zeit vergehen, in die Währung bleibender Erinnerung. Der Dank macht das Gute haltbar. Deshalb spürt der Dankende im Gespräch mit Gott eine innere Kraft in sich.

Was ist, wenn einem das Danken vergangen ist? Was ist, wenn ein Mensch nichts Gutes mit Gott verbindet? Weder christliche noch jüdische Psalmbeter sind naiv. Oft genug ringen sie das Gotteslob dem Leid ab. Genau damit erheben sie Protest gegen die Verzweiflung. Sie nehmen dem launischen Schicksal die Würfel aus der Hand. Sie schneiden den Waffen der Welt das Wort ab. Sie lassen das letzte Wort nicht dem Unrecht und der Gewalt. Wer dankt, denkt an Gott. Und sieht die Weite, in die unser Leben gebettet ist. Eine Landschaft voller Dank.

Matthias Henning

Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Weilheim