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Geistliches WortDas Leben hat gewonnen

VFL Fussball Damen Nachwuchs Training
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Als der dänische Fußballnationalspieler Chris­tian Eriksen am vergangenen Samstag beim EM-Vorrundenspiel gegen Finnland zu Boden sinkt und regungslos liegen bleibt, macht sich Entsetzen breit. Fassungslos verfolgen die Menschen im Stadion die Szenerie. Ärzte seines Fußballverbandes beginnen, den 29-Jährigen zu reanimieren, abgeschirmt durch die sichtlich aufgewühlten Mitspieler. Bei manchen werden vielleicht Erinnerungen wach an Spieler wie Antonio Puerta und Marc-Vivien Foé, die ebenfalls während eines Fußballspiels kollabierten und deren Leben nicht mehr gerettet werden konnten. Als die Ärzte bei Christian Eriksens Abtransport mit dem Daumen nach oben deuten, kommt erstmals Erleichterung auf. Das Spiel wird nach einer Unterbrechung ­fortgesetzt - eine Entscheidung, die für ­Diskussionen sorgt. Tags darauf titelt eine dänische Boulevard­zeitung mit Blick auf das mit 0:1 verloren gegangene Spiel: ­„Dänemark hat verloren - das Leben hat gewonnen.“

Das Leben hat gewonnen. In letzter Zeit wurde häufig über „vulnerable“ Personengruppen gesprochen. Dazu gehören zum Beispiel hochaltrige oder chronisch kranke Menschen, bei denen eine Corona-Infektion mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem schweren Krankheitsverlauf führt. Vulnerabel bedeutet „verwundbar“ oder „verletzlich“. Die Ereignisse um Christian Eriksen haben wieder gezeigt, wie vulnerabel, wie zerbrechlich das menschliche Leben als Ganzes ist. Denn selbst wenn in den kommenden Tagen schlüssige Erklärungen für den „Fall Eriksen“ aufkommen sollten: Ein seit jungen Jahren voll austrainierter und unter ständiger medizinischer Beobachtung stehender Sportlerkörper stand hier urplötzlich kurz vor dem irreversiblen Ende seiner Vitalfunktionen.

Aber: Das Leben hat gewonnen. Das ist auch der Urschrei des christlichen Glaubens. Erst vor einem Vierteljahr haben Christen das an Ostern gefeiert: den Sieg des Lebens über den Tod. Wir erfahren es auch in unserem Umfeld, dass Menschen mitten aus dem Leben gerissen werden. Viele kommen nicht doch noch einmal mit dem Leben davon wie Christian Eriksen. Auch Jesus am Kreuz nicht. Sein Tod war echt. Nur deshalb gibt mir seine Auferstehung Hoffnung - als Sieg über den tatsächlichen Tod.

Marius Böhmerle

Vikar an der Evangelischen Kirchengemeinde Weilheim

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