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Geistliches WortDie Menschen brauchen Mut

Ich hab’ meinen Glauben“, sagt er, „aber ich geh‘ nicht in die Kirche. Die Kirche ist doch voll mit Heuchlern.“

Ich möchte sagen: „Für einen mehr ist immer noch Platz! Kommen Sie ruhig auch.“ Aber ich nicke nur vor mich hin. Wieder keinen Mut gehabt! Oder?

Muss man als Christ mutig sein? Kommt drauf an, welchen Mut man meint! Paulus, der Apostel aus der Bibel, war so einer, der mutig gepredigt hat, egal vor wem, und der deswegen sogar im Gefängnis saß. In einem Brief schreibt er, welchen Mut er deshalb von seinen Mitchristen erwartet: „So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe.“ Mut braucht man, höre ich ihn sagen, allerdings nicht Heldenmut. Die Menschen sollten nicht in den Krieg ziehen, sondern für Menschen da sein. Dazu braucht man Mut: Sanftmut, Demut, Langmut - so sagte man früher zur Geduld.

Christenmenschen brauchen mehr Mut: Mehr Langmut mit dem Nachbarn, der seine Hecke nicht schneidet. Mehr Sanftmut bei dem, was sie sagen. Meckerei hilft nicht einmal uns selbst, geschweige denn anderen. Mehr Demut. Es könnte ja sein, dass andere etwas besser wissen als man selbst, obwohl sie scheinbar nicht meinen ach so gesunden Menschenverstand haben.

Und gelegentlich braucht es auch Unmut: Nicht so sehr wenn einer meint, die Kirchen verhöhnen zu müsse-n, die sind ein gefundenes Fressen, sondern dann, wenn es gilt, denen zu widersprechen, die meinen, der Rest der Welt brauche die Solidarität nicht. Und denen, die aus ihrer Sprache eine Waffe gemacht haben, ein Werkzeug, um Gräben aufzureißen, statt für den Frieden und die Würde jedes Menschen zu sprechen.

Axel Rickelt

Evangelischer Pfarrer Kirchheim

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