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Geistliches WortEin Christ in Deutschland

Ich bin ein Christ in Deutschland, nicht ein deutscher Christ. Nach dem Krieg 1945 veränderte die evangelische Kirche ihren Namen von „Deutsche Evangelische Kirche (DEK) in „Evangelische Kirche in Deutschland“ (EKD). Darin steckt die Erkenntnis, dass die Kirche Christi, das Volk Gottes, aus allen Völkern gerufen und erwählt ist. Die Menschen sind so erlösungsbedürftig und so erlösungswürdig wie die Erde. Die Erde wartet auf Gott. Der Mensch ist Gottes Ebenbild.

Ein Bild soll dem Original entsprechen. Der Gott entsprechende Mensch liebt alle seine Mitgeschöpfe um Gottes und ihrer selbst willen. Gottes Liebe ist auch lebensschaffende Liebe. So sind die Gott entsprechenden Menschen schöpferisch tätig für die ganze Erdgemeinschaft, schaffen Gerechtigkeit und fördern den Frieden. Gottes Herrschaft ist nicht ein willkürliches Verfügen von oben, sondern ein Tragen von unten. Nach der ersten Schöpfungsgeschichte ist die Erde kein Untertan der Menschen. Sie „bringt hervor lebendiges Getier, jedes nach seiner Art, Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes“ (Gen 1,24). Lebendige Wesen reproduzieren sich selbst, die Erde aber bringt anderes Leben hervor. Die Erde bietet nicht nur Lebensraum für eine Vielfalt von Lebewesen, sondern ist auch ihr hervorbringender Lebensschoß. Von keinem anderen Geschöpf wird das gesagt, weder vom Himmel noch vom Menschen.

Paulus hörte die ganze Schöpfung „seufzen und sich ängstigen“. „Die Schöpfung ist unterworfen der Vergänglichkeit . . . doch auf Hoffnung hin. Denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ (Röm. 8, 20.21). Die Erdgemeinschaft ist so erlösungsbedürftig und so erlösungswürdig wie wir Menschen. Die Erde wartet auf Gott. Im Kommen Gottes wird sie zur „neuen Erde werden, auf der Gerechtigkeit wohnt“. Wie geschieht das? Psalm 96 malt ein schönes Bild: „Der Himmel freue sich und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist, das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist, es sollen jauchzen alle Bäume im Walde vor dem Herrn, denn er kommt zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.“

Für den christlichen Glauben hat Gott durch die Lebenshingabe Christi den „Kosmos versöhnt“. Der kommende Christus ist der kosmische Christus. Darum singen wir in der EKD im Advent zu Recht: „Oh Heiland, reiß die Himmel auf. . .“ und: „Oh Heiland aus der Erde spring‘. . .“ (EG 7, 2.3).

Brigitte Turnacker

Pfarrerin in Erkenbrechtsweiler/Hochwang

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