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Geistliches wortEtwas anderer Frühjahrsputz

Haben Sie schon Ihren Frühjahrsputz erledigt - also nicht nur die Kehrwoche, die übers ganze Jahr zu bewerkstelligen ist, sondern den traditionellen Frühjahrsputz kurz vor Ostern, mit Fensterputzen und Vorhängewaschen, damit der Frühling in unseren Wohnungen Einzug hält? Ich will sie aber heute auch an einen anderen Frühjahrsputz erinnern. Ein Frühjahrsputz mitten in der Fastenzeit, wenige Wochen vor Ostern.

Ein bekanntes Putzmittel mit neuem aktiven Fettlöser verspricht glasklare Sauberkeit. Glasklare Sauberkeit wünscht sich auch die ehemalige Karmeliterin Edith Stein, die 1942 von den Nazis ermordet und 1998 heiliggesprochen wurde. „Du sollst sein wie ein Fenster, durch das Gottes Liebe in die Welt hineinleuchten will. Die Scheibe darf nicht stumpf und schmutzig sein, sonst verhinderst du das Leuchten Gottes in der Welt!“

Durch keinen hat Gottes Liebe so hell in die Welt hineingeleuchtet wie durch Jesus von Nazareth. Er war das Fenster, durch das Gott Menschenfreundlichkeit in das Leben aller hineingestrahlt hat. Nach Edith Steins Worten sind wir heute die Fenster, die anderen einen Blick auf Gottes Wirken ermöglichen sollen. Oft sind aber unsere „Fenster“ stumpf und undurchsichtig - sie schreien förmlich nach einem Frühjahrsputz. Dazu bietet die Kirche drei Putzmittel an: Fasten - Almosen - Beten.

Das Fasten ist wohl der kraftvollste Fettlöser für Leib und Seele. Nach dem Grundsatz, in der Enthaltung liegt die Entfaltung, konzentrieren wir uns beim Essen und Trinken, bei unseren Aktivitäten und bei unseren Gedanken und Worten auf das Wesentliche. Wenn wir unsere Lebensfenster von unnötigen Fettschichten befreien, können auch andere deutlich sehen, welche Möglichkeiten Gott ihnen schenken will.

Das zweite Putzmittel: Almosen - es ist das beste Reinigungsmittel gegen Egoismus und Gier. Seien wir großzügig und üben Solidarität mit den Armen. Unterstützen wir Misereor und Brot für die Welt, so geben unsere Lebensfenster einen frischen Glanz und der barmherzige Gott strahlt in unsere Welt.

Aller guten Dinge sind drei - und so wird als drittes Putzmittel das Gebet, der wirksame Schutz gegen Hektik und Oberflächlichkeit, angeboten. Nehmen wir uns Zeit zum Beten und Meditieren, nur so kommen wir unserem Leben auf den Grund. Gerade durch das Gebet kann unser stumpfes Lebensfenster aufpoliert werden.

„Du sollst sein, wie ein Fenster, durch das Gottes Liebe in die Welt hineinleuchten will. Die Scheibe darf nicht stumpf und schmutzig sein, sonst verhinderst du das Leuchten Gottes in die Welt.“

Wenn unsere Lebensfenster klar und sauber sind - dann kann Ostern werden.

Franz Keil

Pfarrer von St. Ulrich

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