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Geistliches WortFreut euch!

Nur noch wenige Tage trennen uns von Weihnachten. Eigentlich sollten wir uns darüber freuen, denn die Adventszeit bereitet uns auf Weihnachten vor. Aber davon kann im Augenblick keine Rede sein. Kurz vor Weihnachten sind die bislang schon eingeschränkten Möglichkeiten, sich zu treffen Vergangenheit. Abends darf man das Haus nur noch aus triftigen Gründen verlassen. Da ist es schon praktisch, wenn man mit einem Hund Gassi gehen kann. Sonst aber bleibt einem nichts anderes übrig, als in der Hausgemeinschaft zu verharren. Wer in dieser Situation nicht allein lebt, kann sich schon einmal glücklich schätzen. Wer aber allein ist, den trifft es wirklich hart.

Dass da wenig adventliche Stimmung aufkommen kann, erstaunt nicht. Trotzdem nützt alles Lamentieren nichts. Die Maßnahmen, die wir in dieser Adventszeit auferlegt bekommen haben, dienen unserem eigenen Schutz.

Vor zwei Wochen sagte Frank-Walter Steinmeier noch optimistisch: „Die Pandemie wird uns die Zukunft nicht nehmen.“ Jetzt könnte man denken, er habe damit nicht Recht gehabt, weil steigende Infektionszahlen und Todesfälle uns weiter in die Isolation treiben. Aber auf längere Sicht machen seine Worte Sinn. Denn nur wenn wir jetzt Verzicht üben, können wir uns auf sicherem Wege dem Ende der Pandemie nähern.

„Freut euch!“ Dazu lädt der Apostel Paulus uns ein. Man könnte meinen, er habe da leicht reden, da er diese Worte nicht für unsere Situation geschrieben hat. Doch auch Paulus befand sich damals in einer Krise. Er saß nämlich im Gefängnis. Wenn wir in der Adventszeit an die Freude erinnert werden, dann muss Freude einen tieferen Grund haben als ein dauerndes Lächeln oder die Freude an einem harmonischen Weihnachtsfest. Freude muss etwas Inneres sein, etwas, das wir selbst wecken und fördern können. In diesem Advent ist es mehr als sonst nötig, dass wir darauf aufmerksam gemacht werden.

Und genau das tut Paulus. Die Freude, von der er spricht, bezieht er nicht aus irgendeiner heiteren äußeren Stimmung heraus. Schließlich befindet er sich alles andere als in einer glücklichen Lage. Die Freude, von der er spricht, kommt vielmehr aus seiner Überzeugung und seinem Glauben. „Der Herr ist nahe!“ Das ist die Antwort, die Paulus für sich selbst gefunden hat, und die auch uns erfüllen sollte.

„Der Herr ist nahe!“ Das ist die Nähe, die ich für mein Leben brauche und ein Grund zur Freude. Vor diesem Hintergrund kann es auch in diesem Jahr Weihnachten werden. Gehen wir darum trotz allen Unannehmlichkeiten in diese letzten Tage vor Weihnachten mit der fröhlichen Empfehlung des Paulus „Freut euch!“

Arnd Kaiser

Pfarrer der ev. Stadtkirchengemeinde Kirchheim

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