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Geistliches WortFrohe Ostern!

Es gab eine Zeit, da wurde in manchen Kirchen in der Karwoche ein schwarzes Tuch über den Altartisch ausgebreitet. Es sollte an das Dunkel von Karfreitag, an das Leiden und Sterben Jesu Christi, an Enttäuschung, Vergänglichkeit und Tod erinnern.

In der Osternacht stellte die Gemeinde eine brennende Kerze auf das Tuch. Nur eine einzige Kerze. Vor dem Schwarz verbreitete sie sanft und zerbrechlich, aber unübersehbar, ihr wärmendes Licht. Das Schwarz des Tuches blieb sichtbar. Hell und Dunkel, Licht und Finsternis kamen sich ganz nahe. Das Schwarz blieb, aber auch das Licht. Das Licht vertrieb das Dunkel nicht einfach. Das Dunkel war da, mit den Augen zu sehen, mit den Händen zu greifen. Aber dort war auch Licht. Das Dunkel vermochte das Licht nicht zu überwinden. Vor dem Schwarz leuchtete es unübersehbar, lebendig flackernd, Glanz in die Augen, Wärme in Herz und Seele zaubernd. Das Licht - Zeichen der Ermutigung, des Trostes und der Hoffnung.

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag wurde dieses Licht des Lebens auf dem schwarzen Hintergrund entzündet. Es geleitete die Menschen hinein ins Osterfest, das Fest des Lebens. Die Menschen nahmen die Symbolkraft dieses Bildes hinaus auf ihren Lebensweg.

Das Licht von Ostern, das Zeichen der Hoffnung für Leben und Sinn vergisst die Erfahrungen nicht, denen es doch nicht den letzten Sieg überlassen will.

Hoffnung für den Lebensweg

Vielleicht vermochte es gerade so den Menschen zu helfen, wenn sie wieder in ihren Alltag zurückkehrten. Sie ahnten dann wohl: Ostern löst all unsere Ängste und Zweifel nicht ein für alle Mal. Was das Osterlicht verdeutlicht, will immer neu durchlebt und angeeignet sein. So wird sich das Schwarz immer wieder an uns heranschleichen, wenn sich uns die Fragen aufdrängen: Was wird aus mir angesichts der Vergänglichkeit? Was wird von dem bleiben und Wert behalten, wofür ich mich eingesetzt habe? Was wird morgen sein, wo doch scheinbare Sicherheiten sich auflösen und Vertrauen in bisherige Gewissheiten zutiefst erschüttert wird? Wir wittern die Gefahr, dass Dunkel, Angst und Vergeblichkeit übermächtig werden.

In all dem leuchtet und begleitet uns das Licht von Ostern. Es weist auf Jesus Christus, das Licht der Welt. Es weist auf den, der bei uns ist mit seiner Liebe, die an Ostern sogar die Finsternis des Todes besiegt hat. Ostern - der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Vor dunklem Hintergrund stimmen wir ein in diesen Osterruf. Der Eine zaghaft und zweifelnd, die Andere überschwänglich und begeistert. Alle aber begleitet der Auferstandene, um uns Zuversicht und Lebensfreude für unseren Lebensweg zu schenken. Durch alles und in allem Dunkel leuchtet das Osterlicht, unauslöschbar, weil es von der Liebe Gottes kündet. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen „Frohe Ostern!“

Ulrich Müller Pfarrer in Ochsenwang und Bissingen

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