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Geistliches WortFür wen halten die mich?

Einige Zeilen des Liedes „Lasse redn“ der Gruppe „Die Ärzte“ lauten: „Hast du etwas getan, was sonst keiner tut? Hast du hohe Schuhe oder gar einen Hut. Oder hast du etwa ein zu kurzes Kleid getragen. Ohne vorher deine Nachbarn um Erlaubnis zu fragen?“ „. . . während sie sich über dich schon ihre Mäuler zerreißen.“

Mit dieser Strophe wollen sie uns zu verstehen geben und spiegeln, wie Menschen sich zu viele Gedanken über andere Menschen machen und was diese möglicherweise über andere denken könnten. Zu guter Letzt kann das eine oder das andere zur Lästerei oder zu einem dauerhaften Mobbing forciert werden. Das kann einen Menschen zutiefst verletzen oder sogar so weit bringen, dass er sich psychisch davon nicht mehr erholen kann.

Viele Menschen sind heute viel zu sehr damit beschäftigt, ihr Können, ihren Status, ihr Aussehen so zu präsentieren, dass man für andere perfekt erscheint. Die anderen sollen es zumindest denken. Meistens ist dies alles nur Fassade.

Heutzutage ist es für viele sehr wichtig, was die anderen von einem halten. Beispielsweise wollen Jugendliche vor ihrer Clique immer gut dastehen und immer dazugehören, denn niemand will ausgegrenzt werden, wenn er sich nicht die teuren Markenklamotten leisten kann. Ein Druck entsteht, welchem viele nicht standhalten können. Armut muss versteckt werden, weil man sich dafür schämt. Image ist eben alles.

Image war schon immer wichtig, auch zur Zeit Jesu. Die Zöllner hatten beispielsweise ein schlechtes Image, weil sie den Menschen meistens mehr Geld abgenommen haben, als sie es eigentlich sollten. Die Pharisäer waren als „selbstgerechte Heuchler“ verschrien.

Hat Jesus vielleicht deshalb im Lukasevangelium seine Jünger so direkt gefragt: „Für wen halten mich die Leute?“ Ist es für ihn wirklich so bedeutsam? Nein, es ist für ihn nicht von großer Bedeutung. Wesentlich ist ihm die Antwort auf seine zweite Frage: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ „Was denkst du über mich?“ - Haben Sie jemals selbst so direkt nachgefragt? „Für wen halten Sie selbst, Jesus?“

Ich halte Jesus für jemanden, der in unsere Welt etwas Wunderbares gebracht hat und zwar Gott - sich selbst. Ihm war und ist auch heute das Aussehen, der Status, das Können der Menschen nicht relevant. Jesus spricht uns alle an. Er grenzt nicht aus und bietet sich an. Gut zu wissen, dass für Jesus lediglich von Bedeutung ist, was wir in unseren Herzen tragen und welchen Stellenwert wir ihm geben.

Anna Bernau

Katholische Gesamtkirchengemeinde

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