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Geistliches WortHilf meinem Unglauben

Ich glaube - hilf meinem Unglauben!“ So lautet die außergewöhnliche Jahreslosung für das angebrochene Jahr 2020 (Markus 9, 24).

Zum Beginn des neuen Jahres frage ich mich: Kann ich glauben, dass Gott in einem kleinen schutzlosen Kind Mensch geworden ist? Kann ich glauben, dass Gott ein Heruntergekommener ist, aus dem Himmel in einen Stall? Gott als Kind, wenige Tage nach der Geburt auf der Flucht? Immerhin nicht allein, sondern mit Eltern und mit Windeln (Matthäus 2, 13 - 14).

Kann ich glauben, dass Weise aus allen Kontinenten sich zu dem Kind aufmachen, zu dem Friedensbringer und Heilsbringer? Drei „Magier“ haben ihn damals im Stall besucht (Matthäus 2, 1 - 12).

In diesen Tagen wird die Botschaft der drei Weisen durch Kinder, als Sternsinger mit dem Segen in und an die Häuser gebracht. Die Botschaft der Sternsinger kündet vom Frieden und fordert den Frieden ein: „Segen bringen, Segen sein. Frieden! Im Libanon und weltweit.“ Das alles kann und will ich gerne glauben!

Und ich will auch glauben, was ich selbst gesehen und gehört habe: Kinder an der Krippe in der Kirche. „Ihr Kinderlein kommet“ haben wir miteinander gesungen. Und das war schön, und wir wollten es alle wahrhaben und glauben. Weil genau dies auch das Kind gesagt hat, als es dann erwachsen war: „Lasst die Kinder zu mir kommen, ihnen gehört das Reich Gottes!“ Auch das will ich gerne glauben.

Wenn ich aber das alles glaube, dann ist es für mich unglaublich und unerträglich, dass Kinder heute, jetzt gerade, ohne Eltern und ohne sanitäre Versorgung festsitzen. Elender als in einem Stall, von Krankheiten und Kälte mehr und mehr geschwächt. In Griechenland. Noch kein sicherer Hafen, nicht mal für sie.

Und ich bete zu dem Kind von damals: Hilf meinem Unglauben! Schenke uns Mut und Vertrauen, dass wir Kinder in Not aufnehmen können. Ich glaube nicht, dass wir uns vor ihnen fürchten sollten. Amen.

Paul Bosler

Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Nabern

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