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Geistliches WortHoffnungsvollerGlaube

In der vergangenen Woche hat der Generalvikar der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Clemens Stroppel, eine Mail an seine Mitarbeiter in den Kirchengemeinden gesandt, in der er die 41. Mitteilung zur aktuellen Lage mit ergänzenden Anordnungen zur Feier der Liturgie ankündigte. Ja, seit Beginn der Pandemie gibt es diese Mitteilungen, in denen der Bischof festlegt, wie in den Kirchengemeinden Gottesdienste und persönliche Begegnungen stattfinden können. Diese Mail war so ganz anders als die vorigen. Kein geschäftsmäßiger Ton, keine Anweisungen waren da zu lesen, sondern geistliche Worte, die mich tief berührten. Von den Hoffnungsworten der Bibel, wie sie vor allem bei den Propheten zu finden sind, war da die Rede. Und was bräuchten wir mehr in dieser Zeit, die mehr durch Beschränkungen gekennzeichnet ist als Hoffnung? Also habe ich mal wieder meine Bibel zur Hand genommen und nachgeschlagen: »Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie. . . Seht, euer Gott!. . . Er selbst kommt und wird euch retten« (Jes 35,1.4).

Das hört sich doch an wie die unmittelbar bevorstehende Rettung, wie das Heil in unheilvoller Zeit! Jesus sagt von sich aus dem Buch des Propheten Jesaja: »Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt; er hat mich gesandt, damit ich. . . ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe« (Lk 4,18-19; Jes 61,1-2). Und Jesus hat ja Kranke geheilt, Blinde sehend gemacht, Stumme und Taube geheilt, Zerschlagene aufgerichtet und Tote auferweckt. Das können wir nachlesen, aber es hört sich für uns an wie ein Märchen. Hat es für unser Leben tatsächlich noch eine Bedeutung? Trauen wir Gott noch eine Heilstat zu. Ich weiß, das hört sich nun so an, als hoffe ich darauf, dass Gott ein Wunder tut und uns aus dieser Pandemie befreit. Dass er uns zurückführt in ein Leben voller ungetrübter Begegnungen und Lebensfreude. Aber ich halte es da lieber mit dem Apostel Paulus, der in seinem Brief an die Gemeinde in Rom schreibt: ». . . auf Hoffnung hin sind wir gerettet.... Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, harren wir aus in Geduld« (Röm 8,24-25). Ja, Geduld in froher Hoffnung ist weiterhin gefragt. Und ich halte es mit Jesus, der uns in seine Nachfolge berufen hat, um das, was er begonnen hat, fortzuführen. Er hat keine anderen Hände als unsere Hände. Packen wir also überall da an, wo unsere Hilfe notwendig ist, damit wir die Not unserer Zeit wenden. Oder um nochmals mit den Worten Jesajas zu sprechen: »Sagt den Verzagten (und mitunter sind wir es selbst): Seid stark, fürchtet euch nicht!« (Jes 35,4a).

Rainer Wagner

Diakon der katholischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheim

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