Unzugeordnete Artikel

Geistliches Wort„Ich hätte dich gern dabei“

Symbolfoto
Symbolfoto

Ich bewundere gute Gastgeber. Letzte Woche habe ich wieder einmal einen erlebt. Wir kamen ins Restaurant, wurden begrüßt, und unser Gastgeber widmete uns einige Worte der Aufmerksamkeit. Spielerisch und leicht nahm er uns hinein in eine gelöste Atmosphäre. Für seine ungewöhnliche Getränkekarte weckte er unsere Neugier. So saßen wir im Freien, frei und entspannt, genossen nippend kühle und bisher unbekannte Limonaden. Die Blicke schweiften, die Seele ruhte von Geschäften und Sorgen des Alltags und wir warteten auf das Essen.

Wir hatten für kurze Zeit eine Grenze überschritten an einen anderen, angenehmen Ort. Ich persönlich schätze diese Art des Raumwechsels und die damit verbundene Sprache der Gastgeberschaft.

Entsprechend freut es mich, selbst Gastgeber zu sein. Dann bin ich der, der sich ins Zeug legt und begrüßt und bedient. Damit schenke ich denen, die ich eingeladen habe, meine Zeit und meine Fähigkeiten zu kochen und zu komponieren. Ich biete ein Menü und eine Auswahl an Getränken. Dabei denke ich an den großen Gastgeber des Lebens, bei dem ich Stammgast bin und immer wieder einkehre.

Vor Karfreitag sagt Jesus zu seinen Jüngern: Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele (Mt 20,28). Mit diesen Worten öffnet sich die Tür zu einem Raum, in dem ich begrüßt werde und willkommen bin. Ein leichtes und spielerisches Gespräch mag sich an der Bar entspinnen. „Wie geht es dir? Was darf es heute sein?“ Hier geht es aber nicht nur ums Essen, wie immer bei einem wirklich guten Menü. Dazu gehört ein Gespräch zu den großen Lebensfragen. Da mag etwas von der Leichtigkeit verfliegen. Aber wegen der Herzlichkeit Jesu am Anfang entsteht Vertrauen. So wie bei manchem Seelsorgegespräch an einer Theke. Vielleicht wischt Jesus über den Tresen, schaut ernst und mit einem Grinsen auf, wenn er sagt: „Meine Leidenschaft ist, dass du lebst und Gott kennenlernst. Das ist ein und dasselbe. Dafür habe ich alles gegeben. Im Moment bereite ich noch eine viel größere Feier vor. Ich hätte dich gern dabei. Ansonsten: Schau rein.“

Christoph Schubert

Pfarrer der evangelischen Julius-von-Jan-Gemeinde Lenningen

Symbolfoto
Symbolfoto
Anzeige