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Geistliches WortIst Dabeisein alles?

Nach der Fußball-EM flimmert nun wieder Sport auf allen Kanälen. Die Olympischen Spiele finden unter speziellen Corona-Bedingungen statt. Olympia ohne Zuschauer. Und dennoch: Sportler aus der ganzen Welt haben sich jahrelang auf diesen Höhepunkt vorbereitet und kämpfen nun um Gold, Silber und Bronze. Was mir besonders gefällt, sind zwei Dinge. Erstens: Sportarten, für die ich mich sonst kaum interessiere, ziehen mich plötzlich in den Bann. Und zweitens: Das Miterleben der unterschiedlichsten Emotionen der Sportler: Tränen der Enttäuschung und auch Tränen des Jubels. Viele Sportler nehmen extreme Strapazen auf sich, um sich ihren Traum von einer olympischen Medaille zu erfüllen. Für dieses Ziel wird alles andere hintangestellt.

Ziele im Leben zu haben, ist gut und richtig. Ohne Ziele besteht die Gefahr, sich durchs Leben treiben zu lassen. Die Bibel ermutigt auch dazu, Ziele in den Blick zu nehmen, und greift die Welt des Sports auf. Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth Folgendes: „Wisst ihr nicht: Die im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den Siegespreis. Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge, jene nun, damit sie einen vergänglichen Siegeskranz empfangen, wie aber einen unvergänglichen.“ (1. Korinther 9,24+25).

Die Adressaten dieser Worte sind nicht irgendwelche Sportler, sondern Menschen, die gemeinsam auf dem Weg des Glaubens sind. Paulus ist eine Sache so wichtig: dass die Gläubigen das finale Lebensziel erreichen und sich nicht von diesem Weg abbringen lassen. Glaube heißt in einer vertrauensvollen Beziehung zu dem lebendigen Gott zu leben, der gute Gedanken über unserem Leben hat. Es gibt Zeiten, da muss dieses Vertrauen durchbuchstabiert werden. Aber Paulus motiviert die Menschen, dranzubleiben, nicht aufzugeben, denn auf sie wartet der Siegespreis des ewigen Lebens. So genial dieses Ziel ist, im Glauben geht es jedoch noch um mehr: um ein Leben im Hier und Jetzt, um ein Leben mit Hoffnung, Versöhnung und Bestimmung. Bei Olympia mag das Motto „Dabeisein ist alles“ stimmen, für unser Leben ist das zu wenig. Wir sind nicht dazu berufen, irgendwie dabei zu sein, sondern uns von dem leiten und inspirieren zu lassen, der von sich sagt: „Ich bin gekommen, dass sie Leben haben, Leben im Überfluss“ (Johannes 10,10). Diese Worte stammen von Jesus, dem Sieger über allem, was das Leben niederdrücken will. Er lädt jeden ein, den Siegeskranz des Lebens zu empfangen. Und dieser ist weit mehr wert als jede Medaille, die zurzeit in Tokio gewonnen wird.

Günter Öhrlich

Pastor der evangelischen Freikirche Kirchheim

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