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Geistliches WortLeichtsinn. . . leichter Sinn

Leichtsinn - haben Sie sich über dieses Wort schon einmal Gedanken gemacht? Ich finde, es ist ein tolles, mehrdeutiges Wort.

Leichtsinn, für manche bedeutet es bei kühlen Frühlingstagen ohne Jacke rauszugehen, in Badelatschen durch Wälder zu wandern oder uneingecremt in der Mittagssonne zu braten; oder aktuelle Empfehlungen in den Wind zu schlagen oder mit den Lockerungen völlig unbedarft umzugehen.

Leichtsinn ist hier negativ zu verstehen. Es klingen Vorwürfe und Überlegenheit mit. Ohne Jacke fängt man sich unter Umständen eine schnupfende Nase ein, beim Wandern mit dem falschen Schuhwerk bilden sich Blasen an den Füßen, und beim Sonnenbad gibt es einen Sonnenbrand.

Leichtsinn haftet Unverantwortung an. Solch ein unverantwortlicher Leichtsinn kann auch lebensbedrohlich sein.

Doch es gibt auch einen anderen Leichtsinn. Es gibt einen verantworteten Leichtsinn, den ich nicht aus meinem Leben streichen möchte.

Gerade jetzt möchte ich ihn nicht missen, in einer Zeit, die zur Übernahme von Verantwortung für sich und andere ruft; und wir vermehrt mit den Schattenseiten des Lebens durch persönliche Betroffenheit und Medien konfrontiert sind.

In Leichtsinn klingt auch Leichtigkeit, also die Sonnenseite mit. Leichtsinn ist auch positiv zu verstehen: Wir können leichten Sinnes sein, indem wir Hoffnung und Zuversicht haben. Wir können andere an diesem leichten Sinn mit Freude teilhaben lassen, indem wir am Telefon, über Teams, Threema, WhatsApp und Skype gerne davon erzählen. Jeden Tag können wir leicht-sinnig sein.

Leichten Sinnes möchte ich sein und das mit Verantwortung für andere und mich: Ich möchte meine Nase von der Sonne kitzeln lassen - eingecremt -, weil mir das gut tut. Ich möchte die saftig grünen Bäume bewundern und bestaunen, weil sie mich daran erinnern, dass Vergänglichkeit und Auferstehungsfreude zusammengehören. Ich möchte andere Menschen anrufen und sagen: „Du bist mir wichtig und ich möchte dir zuhören.“ Ich möchte himmlische Schätze sammeln, die mich zufrieden machen und ich möchte jeden Tag lachen und in Freude leben.

Das sind Momente, die Hoffnung, Zuversicht und Mut machen. Sie stärken, weil Gott besonders in diesen Momenten spricht: „Fürchte Dich nicht, ich bin mit Dir. Ich stärke Dich, ich helfe Dir auch, ich halte Dich. Ich bin der Herr, Dein Gott, der Deine rechte Hand fasst und zu Dir spricht: Fürchte Dich nicht, ich helfe Dir!“ Jesaja 41,10+13).

Ramona Schließer Pfarrerin in der evangelischen Stadtkirchengemeinde Kirchheim

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