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Geistliches wortTod oder Ewigkeit?

Ich denke, zu keiner Jahreszeit wird es sichtbarer und deutlicher, dass Leben vergeht, wie jetzt im Herbst. Und nicht umsonst hat es wohl gerade jetzt auch seine Zeit, an die Verstorbenen dieses Jahres zu denken, gerade jetzt auf den Friedhof zu gehen, die Gräber zu besuchen. Vielleicht dieses Jahr erst recht, wo wir uns vor einer Epidemie in Acht nehmen müssen, die uns und Mitmenschen, mit denen wir sonst oft und intensiv in Berührung kommen, das Leben kosten könnte. Denn diese Krankheit hat auch den Schmerz darüber mit sich gebracht, dass wir von den Verstorbenen nur unter großen - und oft auch herzzerreißenden Einschränkungen - Abschied nehmen konnten und können. Grund genug, morgen in unseren Gottesdiensten gerade an die zu denken, die seit der letzten Adventszeit verstorben sind. Auch wenn wir dabei neue und andere Wege gehen müssen. Und vielleicht ist morgen gerade deshalb zu Recht Totensonntag.

In den evangelischen Gottesdiensten morgen sollen aber nicht nur Namen und Erinnerungen an unsere Verstorbenen im Mittelpunkt stehen. Ich hoffe ja, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist, dass nicht spätestens nach zwei oder drei Generationen an die Verstorbenen kaum noch etwas erinnert. Ich hoffe und vertraue darauf, dass das leere Grab Jesu, dass Erlebnisse seiner Jünger damals mit ihm als Auferstandenen, dass Erlebnisse mit ihm in meinem eigenen Glaubensleben zeigen, dass Leid und Tod nichts sind, was uns für alle Zeit im Griff hat und auch vor Gott nicht Halt macht, sondern nur noch begrenzt Macht haben und Angst machen. Weil diese Hoffnung morgen auch im Mittelpunkt steht - und das nicht nur als Nebensache - heißt dieser Sonntag in der evangelischen Kirche auch Ewigkeitssonntag.

Ich möchte nun aber auch noch auf die Geschwister in der römisch-katholischen Kirche schauen: Die feiern morgen das Christkönigsfest. Jesus Christus ist König, und wir dürfen auch auf den Tag warten, an dem das alle sehen und erkennen. Wir warten darauf - nicht nur, indem wir uns zurücklehnen und warten, bis Gott etwas tut oder verändert. Ein König ist nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger als Einzelne da, sozusagen nicht nur mein Privatkönig, sondern sorgt und steht auch dafür ein, dass wir als Bürgerinnen und Bürger seines Reiches füreinander da sind, einander helfen und beistehen. Was Tod, Trauer, Abschied und Hoffnung auf Ewigkeit angeht, heißt, dass wir Angst, Trauer und Schmerz miteinander tragen und aushalten, dass wir die Hoffnung weitergeben, die aus den Zeichen des Ostermorgens kommt - auch wenn wir dieses Jahr und womöglich in Zukunft andere und neue Wege dabei gehen müssen.

Werner Ambacher Pfarrer für Altenheimseelsorge in Kirchheim

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