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Geistliches WortWar das jetzt Ostern?

Es hat sich so ganz anders angefühlt. Gut, die Sonne schien, und die Kirschen blühten prächtig zum Osterspaziergang. Aber Aussichtspunkte waren gesperrt, Restaurants ausgestorben. Kein Eiersuchen mit Oma und Opa, kein fröhliches Familientreffen. Die Osterferien und die freien Tage fühlten sich leer an. Sorgfältig geplante Höhepunkte und ersehnte Genüsse fielen weg. An Reisen war nicht zu denken. Selbst mit Osterfeuern und Gottesdiensten mussten wir fasten. Dafür beschäftigten uns die Mundschutzfrage, Zahlen des RKI, Prognosen der Gesundheits- und Wirtschaftsweisen. Wie soll da Osterfreude aufkommen?

Mitten in der Karwoche starb meine Mutter. Sie hatte sich im Heim mit Corona infiziert und starb innerhalb von 24 Stunden. Vor vielen Jahren hatte sie in ihrer Patientenverfügung eine künstliche Beatmung abgelehnt und dazu vermerkt: „Meine Zeit steht in deinen Händen. Psalm 31,16.“ Sie hatte geglaubt, dass sie letztlich nicht an einer Krankheit sterben werde. Nicht an einem Virus, das hinterhältig raunt: „Jetzt ist es vorbei mit dir“, sondern nach dem Willen Gottes, der sagt: „Jetzt hole ich dich zu mir.“ Und das glaube ich auch.

Stellen wir uns vor, sie hätte das Virus mit ins Grab genommen, es wäre mit ihr gestorben. Es wäre überwunden und könnte niemanden mehr infizieren. Die ganze Welt würde aufatmen. Wir wären frei und alle Sorgen los. Das wäre wunderbar! Leider ist es nicht so. Aber an Ostern war es so. Da hatte der Sohn Gottes alle Art von Leiden aushalten müssen und war damit am Kreuz elend gestorben. Aber am Ostermorgen sagte Gott: „Ich lasse nicht zu, dass das Böse, Gemeinheit und Gewalt, Schmerzen und Tod das letzte Wort haben. Ich erwecke dich zu neuem Leben.“

Ostern ist der Ausdruck unseres Glaubens, dass der Tod gestorben ist. Gott nimmt uns mit in sein neues Leben. Da gibt es weder Leid noch Schmerzen noch Tränen noch Tod. Das will freilich geglaubt werden, weil wir noch so wenig davon sehen, ja nicht einmal ahnen können. Wir sind mit unserem Verstand noch festgehalten in der Sphäre „vor Ostern“, in der Angst und dem Dunklen, dem Bösen und dem Sterbenmüssen. Aber wir können Gott vertrauen, dass er uns in dem allem nahe ist und dass nichts uns von ihm trennen kann. Und dass er noch mehr für uns bereithält, nämlich volles Leben und ungetrübte Freude. Das ist die Botschaft von Ostern. Und der glaube ich.

Christoph Schweikle

Pfarrer an der Christuskirche Kirchheim

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