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Geistliches WortWas kommt?

Bald gehen in Baden-Württemberg die Ferien zu Ende. Es waren keine unbeschwerten Ferien, wie wir es uns gewünscht hätten. Manche haben es vorgezogen, zu Hause zu bleiben, weil sie sich auf nichts Unvorhergesehenes einlassen wollten. Andere wollten aus diesem Grund ihren Urlaub in Deutschland verbringen. Nur wenige hat es in die Ferne gelockt.

Das Leben in und mit der Pandemie hat die Menschen verändert. Es hat sich herausgestellt, dass manche Menschen sich damit so sehr arrangiert haben, dass sie sich nicht nur damit abgefunden haben. Sie haben sich sogar so sehr daran gewöhnt, dass sie das zurückgezogene Leben nicht mehr ablegen können und wollen. Den neuen Bedingungen haben sie sich weitgehend angepasst. Das, was vor der Pandemie wichtig für sie war, vermissen sie nicht. Jetzt haben sie regelrecht Angst davor, das aufzugeben, auf das sie sich in den vergangenen eineinhalb Jahren eingestellt haben.

Natürlich sehnen sich die meis- ten das Ende der Einschränkungen herbei. Dennoch ist es erstaunlich, dass es Menschen gibt, die sich richtiggehend unter Druck gesetzt fühlen, wenn sie durch die Lockerungen wieder Unternehmungen machen können. Offenbar tut sich der Mensch nicht nur schwer damit, wenn er mit Einschränkungen leben muss, sondern auch, wenn er die normalen Möglichkeiten zurückbekommt. Ist der Mensch doch auch ein zaghaftes Wesen, das sich mit Einschränkungen wohlfühlen kann? Ein Wesen, dem das Gefühl der Sicherheit genommen worden ist und sich deshalb in einem eignen Lockdown einigelt?

Abraham hat einst von Gott einen schwierigen Auftrag bekommen. Er verlangte von ihm, seine Heimat hinter sich zu lassen und in ein ihm unbekanntes Land zu ziehen, das er ihm zeigen werde. Aus heutiger Sicht ist das fast unvorstellbar. Denn anders als in unserer Zeit begann damals das Unbekannte und Ungewisse gleich um die Ecke. Abraham wusste also nicht, was ihn erwartete. Dennoch nahm er das Wagnis auf sich. Allerdings tat er es ausgestattet mit dem Segen Gottes, der ihm Führung und Erfolg bei dieser Unternehmung versprach.

Ich finde den Mut Abrahams und seinen Glauben, dass er Gottes Verheißung Vertrauen geschenkt hat, bewundernswert. Wir können seinem Beispiel folgen. Das wird uns guttun. Wir bewegen uns ebenfalls, so könnte man sagen, auf dem Weg in ein neues Land, das wir nicht kennen. Viele Unsicherheiten erwarten uns und wir wissen noch nicht, was in den kommenden Monaten auf uns zukommt. Aber wenn auch wir unser Leben so verstehen, dass es unter dem Segen Gottes steht, dann können wir hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Arnd Kaiser

Pfarrer, evang. Stadtkirchengemeinde Kirchheim

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