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Geistliches Wort„Wieviel Zeit haben Sie?“

Die Antwort ist schwerer als gedacht, denn es steht nicht dabei wofür, für wen. „Jede Stunde habe ich 60 Minuten.“ Schon meldet sich die Stimme in meinem Kopf: „Ja, aber wofür?“ Die Erwiderung: „Einfach so, für mich.“ ist keine Ausnahme. Dann bin eben ich der Zweck. Verflixt! Kann ich über meine Zeit nur in der Perspektive von Zwecken nachdenken? Ich versuche eine grundsätzliche Antwort: „Zu wenig. Immer.“ Aber ist das wirklich meine Lebenserfahrung? Nein. Also sage ich: „Zeit habe ich immer genug. Kommt nur drauf an, womit ich sie fülle.“ Hört sich sehr weise und gelassen an. Aber so bin ich ja auch nicht. Ich kenn‘ mich doch.

Da fällt mir ein Gedanke aus einem Gebet der Bibel ein: „Ich aber hoffe auf dich. Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Ich darf mich Gott anvertrauen mit allem, was ich frage und tue und auch mit dem, was sich als zwecklos erweist. Gott hält auch das in seinen Händen. Das ist die hoffnungsvolle Gelassenheit, die ich tatsächlich kenne und immer wieder suche. Die Frage war gut. Ich konnte sie nicht richtig beantworten, aber sie hat mich unterbrochen und meinen Blick auf das Leben neu ausgerichtet. Meine Zeit in Gottes Hand.

„Wieviel Zeit haben Sie?“ Heute eine halbe Minute mehr. Die hätten Sie zum Lesen gebraucht, wenn dieser Text die bei mir sonst übliche Länge hätte. Geschenkt! Sie müssen sie nicht nutzen.

Axel Rickelt

Pfarrer der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Kirchheim

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