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geistliches WortZuversicht

Stefan Herb

Pastor der evangelisch-methodistischen Zionskirche in Kirchheim

Zuversicht! steht auf dem Deckblatt des Fastenkalenders, der auf unserem Esstisch steht. So sind wir vorbereitet auf sieben Wochen ohne Pessimismus, in der Passionszeit. Die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern. Für diese Wochen nehmen wir uns vor, den Spuren Jesus aufmerksam zu folgen und ihn auf seinem Weg in den Tod zu begleiten.

Wir beschäftigen uns mit der Passionsgeschichte und erleben dabei mit, wie Jesus für seine Mitmenschen einsteht, wie er auf seinem Weg kein Blatt vor den Mund nimmt, wie er sich verwundbar macht und am Ende vor nichts zurückschreckt, nicht einmal vor dem Galgen. Es ist erschütternd. Und zugleich faszinierend, mit welcher Souveränität Jesus den Tod auf sich nimmt. Mitten im Sterben nehmen wir bei Jesus eine Kraft wahr, die allem widersteht. Genau darum ist für uns die Passionszeit so wesentlich. Sie gibt uns die Gelegenheit, selber Kraft zu tanken, Hoffnung zu schöpfen.

Stellen Sie sich vor, was es bedeutete, ohne Pessimismus zu leben! Positiv: jeden Tag mutig zu beginnen, mit Hoffnung und Zuversicht.

Auf dem Kalenderblatt heute steht ein Satz von Mark Twain: „Es gab in meinem Leben viele Katastrophen. Einige davon sind sogar passiert.“ Im ersten Moment bin ich überrascht. Dann fange an zu schmunzeln. Hat er mich doch dabei ertappt, wie ich mein Leben wieder mal nur als die Abfolge von vielen Katastrophen betrachte. Besonders entlarvend ist das Eingeständnis, dass gar nicht alle passiert sind. Das mit den vielen Katastrophen kann also gar nicht stimmen. Das ist mein Bild vom Leben - ein verzerrtes Bild. Vor lauter wahren und eingebildeten Katastrophen übersehe ich das Gute, ich verpasse die hoffnungsvollen Momente und unterschlage die vielen Wunder. Aber der Tag fängt gut an. Mit Humor, mit einer heilsamen Einsicht und mit einem Blick auf den kommenden Tag. Wie weggeblasen ist der Pessimismus, der mich nach unten ziehen will. Ich habe allen Grund zur Hoffnung und zur Zuversicht

Hanns Dieter Hüsch fragt in einem Gedicht nach dem Geheimnis seines Lebens: „Was macht, dass ich so furchtlos bin an vielen dunklen Tagen? Es kommt ein Geist in meinen Sinn, will mich durchs Leben tragen.“ Dieser Geist kommt von Gott. Es ist der Geist, der Jesus die Kraft gab, allen inneren und äußeren Widerständen zum Trotz seinen Weg zu gehen, bis in den Tod. Es ist der Geist, der uns auch heute glauben, hoffen und lieben lässt.

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