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Gemeinde bremst Spedition aus

Wirtschaft Das Lenninger Ratsgremium verhängt für das Areal der ehemaligen Papierfabrik Scheufelen eine Veränderungssperre. Das Instrument soll verhindern, dass planlos Fakten geschaffen werden. Von Anke Kirsammer

Schon jetzt sind im Lenninger Tal viele Lkw unterwegs. Ein Transportunternehmen auf dem Scheufelen-Gelände  würde noch mehr Verk
Schon jetzt sind im Lenninger Tal viele Lkw unterwegs. Ein Transportunternehmen auf dem Scheufelen-Gelände würde noch mehr Verkehr bringen. Foto: Jean-Luc Jacques

Der Lenninger Gemeinderat hat der Ansiedlung einer Spedition auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik Scheufelen vorerst einen Riegel vorgeschoben. „Veränderungssperre“, heißt das Instrument, das die Kommune dafür einsetzt. Die Abstimmung ging denkbar knapp aus: Acht Stimmen gab es für dieses Vorgehen, genauso viele Gemeinderäte enthielten sich. In der Sitzung vor drei Wochen hatten die Räte das Thema von der Tagesordnung abgesetzt. Offenkundig gab es noch Informationsbedarf. Nun legte Bürgermeis- ter Michael Schlecht seine Argumente ausführlich auf den Tisch. „Wir müssen versuchen, die Verkehrsbelastung so gering wie möglich zu halten.“ Lärmschutz werde immer wichtiger. Er warb dafür, ganzheitlich an das Areal ranzugehen. Genau das soll mit dem Vorantreiben eines Bebauungsplans erreicht werden, der unter anderem festlegt, wo sich Gewerbe ansiedeln kann. Es brauche Erschließungsstraßen im Inneren. „Wenn die Grundstücke nicht öffentlich erschlossen sind, sind sie auch nicht viel wert“, betonte Michael Schlecht. Für notwendig hält er deshalb auch eine Wasser- und Abwasserkonzeption. All das brauche Zeit. Die Sorge des Rathauschefs: Eine Firma wie eine Spedition könnte Fakten schaffen, die ein städtebauliches Konzept unmöglich machen.

Der Bürgermeister kündigte an, nach der Sommerpause mit den Grundstückseigentümern, Vertretern der IHK und den Wirtschaftsförderern von Landkreis und Region zu sprechen. „Ich glaube, dass wir mit der Scheufelen Grundstücksgesellschaft eine Lösung hinbekommen, die dem Ortsteil und der gesamten Gemeinde gerecht wird.“ Der Verwaltungschef will qualitätvolle Arbeitsplätze an Land ziehen. Geeignet sei das Gelände beispielsweise für Unternehmen, die auf nachwachsende Rohstoffe setzen. Festhalten will er an Silphie Paper. Er setzt darauf, dass die Geruchsbeläs- tigung mit einer modernen Produktionsweise deutlich abnimmt. Zweites „Ankerzentrum“ könnte ein Technikum Laubholz auf einer kleineren Fläche sein. Gemäß Michael Schlecht solle die Planung nicht festlegen, welche Branchen sich konkret ansiedeln dürfen, sondern eher, was sich Rat und Verwaltung nicht vorstellen können. Den Gemeinderat bat er darum, selbst Ideen zu entwickeln. „Durch die Veränderungssperre sitzen wir mit am Tisch und müssen nicht zusehen, wie sich Sachen ansiedeln, die man später bereut.“

Gemeinderätin Gretel Jaudas sprach sich klar für die Veränderungssperre aus: „Wir brauchen sie, um mitspielen zu können.“ Es handle sich aber nur um eine Sperre für das Gelände, nicht für Rat und Verwaltung. „Wir müssen Gas geben“, so lautete ihr Appell. Dr. Ulrich Jaudas bezeichnete das Areal „fast als Geschenk“. Jetzt müsse mit einem Konzept ein Rahmen geschaffen werden. „Durch die geschützte Planungsphase hat auch die Grundstücksgesellschaft die Möglichkeit, ihre Verantwortung für Lenningen wahrzunehmen.“ Den Wert der Flächen stellte auch Falk Kazmaier heraus. „Sie bieten für mich die größte Chance, in Lenningen etwas in puncto Gewerbe zu schaffen.“ Durch die Veränderungssperre könne die Gemeinde das Gelände entwickeln. Neben einer Erschließung müsse ein Verkehrskonzept entstehen, das die beiden Ortsteile Ober- und Unterlenningen auf neuen Wegen verbinde.

Karl Boßler verwies auf den Zeitdruck und tat sich schwer mit der Entscheidung. Er warnte: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viel wollen, aber zu wenig bekommen.“ Ähnlich geht es Kurt Hiller: „Ich bin mir nicht sicher, was richtig ist“, sagte er. Zwar sei die Veränderungssperre ein normales Instrument der Gemeinde. „Ich gehe aber davon aus, dass sie zu einer Verhärtung der Fronten führt.“ Die Verhandlungen würden dadurch nicht einfacher. Er bat die Verwaltung darum, im September vorzulegen, in welchem Zeitraum der Bebauungsplan genau zu machen ist. Auf einen Antrag verzichtete er aber, nachdem Michael Schlecht angekündigt hatte, im Herbst von dem Gespräch mit den Eigentümern und den Wirtschaftsfachleuten zu berichten. „Wir können zwar einen Zeitplan aufstellen, aber nicht mit Gewähr“, so die Reaktion des Rathauschefs. Auch sei derzeit unklar, welche Gutachten es braucht.

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