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Gemeinwohl statt Geld-Diktatur

Zum Artikel „Seltsame Sehnsucht nach Sozialismus“ vom 1. Februar

In gezielter Regelmäßigkeit lässt die Südwestpresse den Journalisten Helmut Schneider Artikel veröffentlichen, die die angebliche Alternativlosigkeit des Kapitalismus zum Thema haben. Sein jetziger Essay gipfelt in den Behauptungen, es sei „historisch und akademisch gesichert“, dass der Sozialismus weder Wohlstand noch eine lebenswerte Umwelt schaffen könne, und „ohne Ausnahme“ seien „alle ausprobierten Sozialismen“ gescheitert. Dabei verschweigt er, dass der Versuch eines demokratischen Sozialismus im „Prager Frühling“ 1968 nicht gescheitert ist, sondern von russischen Panzern niedergewalzt wurde. Und er verliert kein Wort darüber, dass der Kapitalismus in vielen Ländern der Erde nur mit Militärdiktaturen mithilfe der USA und Gewalt durchgesetzt wurde. Und seine Behauptung, Sozialismus sei auch „akademisch“ gescheitert, ist ziemlich willkürlich. Es gibt Ökonomen, die die Vergötzung des angeblich „freien Marktes“ und Privatisierung und Deregulierung der Finanzmärkte für gefährliche Irrwege halten. Schließlich zu hoffen, die vom Kapitalismus verursachten ökologischen Schäden rein technisch bewältigen zu können, ist ein Strohhalm, an dem man sich klammert, um am eigenen Verhalten und am System nichts ändern zu müssen. Das ist Selbsttäuschung, denn die Unterwerfung aller Bereiche des Lebens und der Erde unter die Rendite für die Kapitaleigner wird alles Leben unweigerlich auslöschen.

Diese Unterwerfung unter die Geld-Diktatur ist der falsche Ansatz. Es gibt andere Ansätze für Ökonomie, jenseits der falschen Alternative „Kapitalismus oder Sozialismus“, zum Beispiel die „Gemeinwohl-Ökonomie“. Wie wäre es, wenn die Südwestpresse mal darüber schreiben würde?

Martin Brost, Dettingen

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