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Gentner schließt Rückkehr in die Kreisliga nicht aus

Fußball Der ehemalige VfB-Profi aus Beuren hat sich nach 15 Jahren Bundesliga dem FC Luzern angeschlossen.

Luzern. Der 14. August war für Christian Gentner ein besonderer Tag, es war sein 36. Geburtstag - ein anderer als jene, die er in der Vergangenheit erlebt hat. Heuer fand an Gentners Geburtstag der erste Spieltag der Fußball-Bundesliga statt - der VfB Stuttgart, bei dem der ehemalige Jugendspieler des VfL Kirchheim aus Beuren jahrelang Kapitän war, empfing Greuther Fürth. Auch Union Berlin und der VfL Wolfsburg bestritten jeweils ihr erstes Spiel.

Für beide Vereine spielte Gentner schon - mit Wolfsburg wurde er 2009 Meister, mit Union qualifizierte er sich zuletzt für die neu gegründete Conference League. Jener ohnehin schon besondere 14. August für Christian Gentner war der erste Tag seit 2006 (mit Ausnahme von 2016, als der VfB in der zweiten Liga spielte), an dem er nicht im Kader eines Bundesligisten steht. Mit Ausnahme des Zweitligajahres stand Gentner zum ersten Mal seit 2007 nicht in der Startelf eines deutschen Erstligateams. „Ich habe in kleiner Runde gefeiert und nebenher die Samstagskonferenz geschaut“, verrät Gentner. „Das war für mich ein ungewohntes Gefühl, in der Bundesliga habe ich einen großen Teil meines Lebens verbracht.“

Dieser Teil des Lebens ist vorbei, für Christian Gentner hat ein neues Kapitel begonnen - auf ein weiteres Jahr in der Bundesliga mit Union Berlin hat er bewusst verzichtet, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Der Lockdown im Frühjahr führte zu noch mehr räumlicher Trennung als ohnehin schon, weshalb es Gentner nach Luzern verschlagen hat - dreieinhalb Stunden Fahrt sind das bis nach Nürtingen, wobei seine Frau und die Kinder Gentner in die Schweiz begleitet haben. „Sportlich wäre Union total reizvoll gewesen, aber aufgrund der familiären Situation haben wir uns dazu entschieden, etwas Neues zu starten“, sagt er. Was aber nicht bedeutet, dass der zentrale Mittelfeldspieler seine sportlichen Ambitionen ad acta gelegt hat.

„Wir haben hier als Familie eine gute Zeit und ich kann das mit meinem sportlichen Ehrgeiz verbinden“, sagt Gentner. Zusammen mit Ex-Nationalspieler Holger Badstuber, mit dem er schon beim VfB gespielt hat, bildet der Beurener nun die erfahrene Achse eines jungen Teams - die Schweizer Super League gilt als Ausbildungsliga, viele junge Spieler wagen von dort aus den Sprung nach Deutschland. Bis 2022 gilt der Vertrag Gentners, er enthält auch eine Option für ein weiteres Jahr. Wie es anschließend weitergeht, ist offen - Gentner kann sich ein Karriereende vorstellen. Es ist aber auch denkbar, dass der 35-Jährige seine Laufbahn in Luzern fortsetzt oder noch mal den Verein wechselt.

Auf dem Weg zum Manager

Gänzlich unvorbereitet geht Christian Gentner nicht auf seine sportliche Zielgerade zu. Seit vergangenem Jahr belegt er beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) den Lehrgang Management im Profi-Fußball, der bis April 2022 andauert. Es ist der erste Lehrgang, durch den der DFB Sportdirektoren der Zukunft ausbilden will. Gentner selbst möchte das für seinen persönlichen Werdegang aber nicht als Fingerzeig gedeutet sehen: „Es ist einfach total spannend, Einblicke in das Geschäft Bundesliga zu bekommen, die du als Spieler so nicht bekommst.“

Er kann sich aber auch vorstellen, die Trainerscheine zu machen, um bessere Einblicke in die Arbeit eines Übungsleiters zu erlangen. Auch ein Comeback bei seinem Heimatverein TSV Beu- ren in der Kreisliga schließt er nicht aus, sofern es irgendwann die Zeit zulassen sollte. In seinem Heimatort unterstützt er derzeit das „Haus Aichele“ für Kinder in Not, dem eine Brandschutzsanierung bevorsteht und das deshalb auf Spenden angewiesen ist. Der aktuelle Plan Gentners sieht vor, irgendwann in den Raum Stuttgart zurückzukehren - spätestens dann, wenn die Kinder sesshaft werden sollten. Wobei er sagt: „Ich kann mir natürlich eine Rolle im Managementbereich vorstellen.“ Simon Valachovic

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