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Gewalt als Event?

Zum Artikel „Gewaltexzess: Hunderte Randalierer wüten in Stuttgart“ vom 22. Juli

Schockierende Bilder kursieren in den sozialen Medien über das, was da in Stuttgart passiert ist. Den verletzten Polizisten wünsche ich gute Besserung und bedanke mich für ihren Einsatz. Was allerdings noch schockierender als die Bilder und Videos ist, ist die offensichtliche Unfähigkeit der Verantwortlichen, die Situation zu erkennen und zu beschreiben. Die traurige Tatsache ist, dass das Problem hausgemacht ist. Man hat sich jahrelang immer weiter zurückgezogen und den Dingen ihren Lauf gelassen. Verantwortung und Kontrolle? Das sollen bitte die privaten machen, schließlich verdienen die ja auch Geld mit dem bunten Treiben.

Durch den Corona-Lockdown verdient da jetzt halt keiner mehr was und die zurückgedrängte Ordnungsmacht war schon davor oft nur noch zum Strafanzeigen tippen degradiert worden und dementsprechend wenig präsent.

Man hört, dass die Situation bei einer Drogenkontrolle eines Siebzehnjährigen eskalierte. Das sollte doch mal zu denken geben! Siebzehn, mitten in der Nacht auf der Straße, Drogenverdacht und das als Normalität?

Da ist schon vorher, lange vorher, so viel schiefgelaufen, dass einem da die Haare zu Berge stehen müssten. Aber der Polizeipräsident meinte, das sei ja die Party- und Eventszene. Tut mir leid, ich bezeichnete mich selbst als Teil dessen. Ich war rund zwei Jahrzehnte nachts unterwegs. Zugegeben ist das schon fünf oder sechs Jahre vorbei, aber meine Bekannten, Freunde und Kollegen sind niemals auf die Idee gekommen, plündernd und brandschatzend durch die Straßen zu ziehen.

Vermutlich waren wir zu viel damit beschäftigt, zu tanzen, Menschen kennen zu lernen und es uns gut gehen zu lassen. Party auf Events eben.

Gewalt und Zerstörung passen so gar nicht in dieses Konzept. Das sollte mal jemand dem Polizeipräsidenten und dem Noch-Oberbürgermeister der Grünen erklären.

Ralph Kittl, Kirchheim

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