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Gewappnet gegen Gewitterstürme

Naturgewalt Nach den Unwettern in der Region boten viele Gärten ein trauriges Bild. Experten geben Tipps, wie man diese liebevoll gepflegten Refugien gegen Sturm und Wassermassen schützt. Von Thomas Krytzner

Hier ist die Welt noch in Ordnung, doch manche Gärten haben nach dem Hagelsturm ihre Schönheit eingebüßt. Foto: Markus Brändli
Hier ist die Welt noch in Ordnung, doch manche Gärten haben nach dem Hagelsturm ihre Schönheit eingebüßt. Foto: Markus Brändli

Das Entsetzen ist groß, als Hagel und Starkregen übers Land zogen und stellenweise in kürzester Zeit alles zerstörten, was nach monatelanger Hege und Pflege im Garten gewachsen war. In den meisten Fällen sind die Schäden nun beseitigt und rund ums Haus blüht und gedeiht es wieder.

Mit ein paar wenigen Tipps können Hobbygärtner den eigenen Garten sicherer gegen Unwetter gestalten. „Damit das Wasser im Boden versickern kann, sollte man so wenig versiegelte Flächen wie möglich anlegen“, rät Eric Proisy, der bei der Nürtinger Firma Albrecht Bühler Baum und Garten den Bereich Gartengestaltung leitet. Beton und Asphalt verhindern, dass der Regen abfließt, und es kommt zum Wasserstau. Er empfiehlt daher: „Gibt es im Garten bereits bestehende versiegelte Flächen und Mauern, sollte man Rinnen und Drainagen anlegen.“

Eine große Hilfe bei Starkregen bieten künstlich angelegte Mulden, wo sich das Wasser ansammeln kann. „Dabei können auch Hohlkörper oder Zisternen im Gartenboden verbaut werden. Zum einen nehmen diese das Wasser von oben auf, zum anderen kann man es später zum Gießen nutzen“, erklärt er. Wer ein Haus neu plant, kann sich schon vor Baubeginn vor Überschwemmungen im eigenen Garten schützen, bestätigt Landschaftsgärtner und Geschäftsführer Albrecht Bühler. „Gibt es ein Gefälle, sollte dieses vom Gebäude weglaufen“, sagt er.

Bei der Art der Bepflanzung stellt Eric Proisy eine Veränderung fest, die sich in den vergangenen Jahren eingestellt hat: „Blumen, Hecken und Bäume müssen hierzulande immer mehr extreme Verhältnisse aushalten.“ Gegen Wind und Wasser könne der Garten zwar geschützt werden, gegen Hagel gäbe es aber kaum ein probates Mittel, so der Experte für Gartengestaltung. „In den meisten Fällen wachsen und blühen die Blumen nach einem Hagelschauer wieder.“ Wer sich jedoch mit Hagelschäden erst gar nicht befassen will, soll auf großblättrige Pflanzen verzichten und vermehrt Gräser verwenden, denn die haben eine kleinere Angriffsfläche und sind deutlich flexibler.

Albrecht Bühler rät dazu, Stauden- und Gehölzflächen anzulegen. „Besonders zum Haus hin schützen diese natürlichen Bar­rieren vor zu viel Wasser.“ Hecken, Sichtschutz und Mauern ermöglichen den natürlichen Schutz vor Wind und Sturm. „Die Art der Grundstücksumgrenzung spielt eine große Rolle bei Unwettern“, bestätigt Albrecht Bühler. Wer sich Hecken anlegt, sollte sie regelmäßig schneiden, denn der regelmäßige Schnitt verdichtet die Hecken. „So halten sie den Wind ab und werden zeitgleich resistenter gegen die Schneelast“, sagt Albrecht Bühler und Eric Proisy ergänzt: „Sichtschutzelemente sollten gut verankert sein. Mauern bringen nicht den gewünschten Effekt, wenn sie nicht richtig gebaut sind.“

Wer einen Teich im Garten hat, braucht sich kaum Sorgen vor Unwettern zu machen. „Bei naturnahen Teichen richtet Hagel eher am Rand Schaden an, wenn die Folie ungeschützt ist. Da hilft eine entsprechende Bepflanzung.“ Einen hundertprozentigen Unwetterschutz gibt es allerdings nicht, wie der Gestaltungsexperte erklärt: „Es wäre eine Illusion zu denken, dass trotz guter Planung nichts passiert.“

"Regelmäßiger Schnitt verdichtet schützende Hecken und macht sie resistenter gegen Witterungseinflüße", rät Albrecht Bühler, Ges
"Regelmäßiger Schnitt verdichtet schützende Hecken und macht sie resistenter gegen Witterungseinflüße", rät Albrecht Bühler, Geschäftsführer bei Baum und Garten.

Bäume helfen sich selbst

Bruchstellen von beschädigten Ästen soll man sauber nachsägen, empfiehlt Baumpflege-Experte Patrick Schmauder.
Bruchstellen von beschädigten Ästen soll man sauber nachsägen, empfiehlt Baumpflege-Experte Patrick Schmauder.

Hagel und Sturm haben auch vielen Bäumen in den Gärten zugesetzt. Patrick Schmauder, Bereichsleiter Baumpflege bei Albrecht Bühler Baum und Garten, rät zur Geduld bei der Pflege: „Es gilt, die Bäume jetzt zu beobachten, da man noch nicht sehen kann, was noch abstirbt. Dabei sollte man auf Äste, die über Gehwege und Straßen ragen, achten.“ Bei Schäden im Geäst hilft meist eine saubere Schnittstelle. Patrick Schmauder präzisiert: „Wenn Äste abgebrochen sind, sollen die Bruchstellen sauber nachgesägt werden.“ In den meisten Fällen kann auf eine Behandlung der Schnittstelle verzichtet werden, wie der Baumpflege-Experte empfiehlt: „Kleinere Schnittstellen kann man offen und unbehandelt lassen, weil die Bäume eine eigene Abwehrreaktion haben.“ Erst bei größeren Flächen ab 10 bis 15 Zentimeter Durchmesser sei eine Behandlung mit Lackbalsam sinnvoll. „Der Kern des Astes bleibt frei und nur zwei bis drei Zentimeter der Umrandung werden bestrichen.“ Die richtige Baumauswahl schützt vor Ärger bei Unwetter, wie Albrecht Bühler erläutert: „Bei Obstgehölzen gibt es keine Einschränkungen, bei Ziergehölz dagegen schon: Säulen-Hainbuchen, Feldahorn, Zierkirsche und Amberbäume sind für heimische Gärten geeignet.“ Diese Bäume wachsen langsam und haben kaum Pflegebedarf, so der Landschaftsgärtner.

Eichen gehören nicht in den Hausgarten. Albrecht Bühler erklärt, warum: „Sie ziehen die Prozessionsspinner an und die Brennhaare der Raupen enthalten Nesselgift.“ Kommt da Wind auf, wird’s gefährlich, wie Albrecht Bühler weiß: „Die Haare verteilen sich in Haus und Garten und es kann zur schmerzhaften Bekanntschaft kommen. Das Heimtückische: Die Haare sind bis zu fünf Jahre lang aggressiv.“ Wer schon einen Eichenbaum im Garten hat, muss diesen aber nicht gleich fällen. Der unerwünschte Bewohner kann im Frühjahr mit biologischen Mitteln effektiv bekämpft werden. kry

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