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Gewichtige Herzstücke auf Reisen

Strom Mehrere Tage waren die zwei 30 Meter langen Schwertransporter mit zwei 66 Tonnen schweren Transformatoren unterwegs. Jetzt ist der Aufbau voll im Gange. Von Thomas Krytzner

Die Chauffeure der beiden Schwertransporte und die Begleiter waren froh, als sie um kurz nach vier Uhr endlich den Hahnweid-Prak
Die Chauffeure der beiden Schwertransporte und die Begleiter waren froh, als sie um kurz nach vier Uhr endlich den Hahnweid-Prakplatz in Kirchheim erreichten.

Die rund 760 Kilometer lange Strecke von Zagreb in Kroatien nach Kirchheim auf Autobahnen und Landstraßen war zum Teil knifflig. Wie die beiden Chauffeure der Schwertransporter und deren Begleiter bei der Ankunft in Kirchheim berichten, zerrten vor allem die letzten 120 Kilometer über Landstraßen an den Nerven: „Rund vier Stunden brauchten wir für diesen Streckenabschnitt, weil es viele Kreisel und enge Kurven gab.“ Aus Sicherheitsgründen hatten nämlich die zuständigen Verkehrsbehörden die Nutzung der A  8 zwischen Ulm und Kirchheim abgelehnt.

Teil des Modernisierungsprogramms

Kurz nach 4 Uhr am gestrigen Dienstagmorgen hatte es die rund 80 Meter lange Fahrzeugkolonne geschafft und die beiden Transformatoren überstanden den Transport vom Transformatorenwerk Koncar zum Umspannwerk in Kirchheim ohne Dellen. „Sie sind Teil der umfangreichen Modernisierungs- und Erweiterungsmaßnahmen, die der Netzbetreiber seit Herbst 2019 auf dem Gelände an der Hahnweidstraße durchführt“, erklärt Dagmar Jordan, Pressesprecherin der EnBW, die Notwendigkeit der Schwertransporte. Bislang wurde im Umspannwerk mit drei Transformatoren gearbeitet. Nach dem Umbau werden es dann fünf Anlagen sein, die den ankommenden Strom aus dem Hochspannungsnetz für das regionale Mittelspannungsnetz transformieren. Sie sind die wichtigsten Großbauteile, sozusagen die Herzstücke des Umspannwerks.

Die EnBW-Sprecherin bestätigt: „Es werden noch weitere Großtransporte folgen, da die drei bisherigen Transformatoren ebenfalls durch neue ersetzt werden.“ Die Erneuerung des Umspannwerks liege gut im Zeitplan, wie Dagmar Jordan betont: „Wenn alles planmäßig abläuft, kann der Umbau Anfang 2023 abgeschlossen werden.“ Das Ziel der Umbauarbeiten sei es, das Umspannwerk mit modernster Ausstattung und der Erweiterung der Anlagen für die Zukunft zu rüsten.

Im Umspannwerk Kirchheim Süd wird der Strom aus dem überregionalen 110 000-Volt-Hochspannungsnetz auf 30 000 Volt und 10 000 Volt für das regionale Mittelspannungsnetz transformiert. Dies geschieht mit den fünf Transformatoren. Über das Kirchheimer Umspannwerk wird nicht nur das Stadtgebiet und somit das Netzgebiet der Energie Kirchheim, sondern auch das gesamte Lenninger Tal und Notzingen mit Energie versorgt.

Millimeterarbeit am Schwergewicht

Die Schienenlaufräder der beiden Transformatoren wurden vor dem Verladen abgeschraubt, um mehr sichere Standfläche zu kriegen. „Beim Abladen heben wir als erstes die Transformatoren mittels Hydraulik hoch, damit wir die Rollen wieder montieren können“, beschreibt Baustellenkontrolleur und Anlagenbetreuer Rainer Rehkugler.

Für ihn und seine Kollegen ist das Prozedere längst zur Routine geworden. „Wir sind ein eingespieltes Team, jeder weiß, was er wann zu tun hat“, betont der EnBW-Vertreter. Das Anheben des 66-Tonnen-Kolosses ist Millimeterarbeit, da immer wieder Unterlegbretter oder Stahlplatten untergeschoben werden müssen und zudem der Transformator nicht in Schieflage geraten darf. „Das gleichmäßige Heben ist oberstes Gebot. Wenn hier was schräg wird, dann schiebt die Masse“, betont Rainer Rehkugler. Als die passende Höhe erreicht wird, können die schweren Rollen montiert werden und eine Behelfsschiene drunter gelegt werden. „Diese brauchen wir, um den Trafo auf die extra angefertigte Hebeschiene zu ziehen“, erklärt der Baustellenkontrolleur.

Mittels Ketten und Manneskraft setzen sich die 66 Tonnen langsam - Zentimeter für Zentimeter - in Bewegung. Als der Transformator auf der Hebebühne steht, hebt die Hydraulik den Koloss in die Höhe. „Dabei ist die Abstimmung im Team gefragt, damit der Trafo mittig auf den Schienen bleibt“, erklärt Rainer Rehkugler. Sobald der Transformator die gewünschte Position auf dem Sockel erreicht hat, wird er befestigt und danach ans Umspannwerk angeschlossen.

Das Hochheben des Trafos ist Millimeterarbeit und fordert den EnBW-Mitarbeitern volle Konzentration ab.
Das Hochheben des Trafos ist Millimeterarbeit und fordert den EnBW-Mitarbeitern volle Konzentration ab.
Fast geschafft: Mit Manneskraft wird der Transformator Zentimeter für Zentimeter vom Schwertransporter auf die hydraulischen Heb
Fast geschafft: Mit Manneskraft wird der Transformator Zentimeter für Zentimeter vom Schwertransporter auf die hydraulischen Hebevorrichtung gezogen.
Fast geschafft: Mit Muskelkraft wird der Transformator Zentimeter für Zentimeter von der Hebebühne auf Schienen an seinen Endsta
Fast geschafft: Mit Muskelkraft wird der Transformator Zentimeter für Zentimeter von der Hebebühne auf Schienen an seinen Endstandort gezogen (Bild oben). Zuvor musste er Zentimeter für Zentimeter vom Schwertransporter auf die hydraulische Hebevorrichtung gezogen werden (Bild rechts). Beim Hochheben des Trafos geht es um Millimeter. Das fordert dem EnBW-Mitarbeiter jede Menge Konzentration ab (Bild unten).
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