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Große Mängel bei Fleischwirtschaft

Zur Berichterstattung über die Corona-Hotspots an deutschen Großschlachtunternehmen

Corona bringt es an den Tag! Die Arbeitsbedingungen und die Unterbringung der meist osteuropäischen Mitarbeiter an deutschen Großschlächtereien tragen zur ungehinderten Verbreitung des gefährlichen Virus in erheblichem Umfang bei. Sofort kommt der Ruf nach mehr Kontrollen. Es wird suggeriert, mehr Kontrollen der Gesundheitsbehörden könnten hier Abhilfe schaffen. Dabei wird verkannt, dass der Fehler im System liegt. Wenn an einem Tag in Birkenfeld mehr als 700 Stück Großvieh geschlachtet werden, bringt das zwangsläufig eine große Konzentration an Mitarbeitern mit sich. Die wenig komfortable Unterbringung der Arbeiter mag man sich vorstellen. Diese Bedingungen fördern die gegenseitige Ansteckung dieser Billigarbeiter. Diese Situation stellt das ganze System in Frage.

Über Jahrzehnte wurden die örtlichen kleinen Schlachtbetriebe mit Kontrollen und nicht erfüllbaren baulichen Auflagen zur angeblichen besseren Hygiene finanziell überfordert. Es herrschte die irrige Meinung, wenn man den kleinen Metzger vor Ort zumacht, würde woanders etwas größeres Besseres entstehen. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Viele Arbeiter mit einem hohen Infektionsrisiko sind mit dem Lebensmittel Fleisch beschäftigt. Das muss bei den staatlichen Stellen zu einem Umdenken führen. Wir brauchen dringend die kleinen, privat geführten Schlachtbetriebe zur Erhaltung der regionalen Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Fleischprodukten.

Dabei müssen wir auch an das Tierwohl denken. Vielen Schlachttieren bliebe der lange und stressige Transport, zusammengepfercht im Großtransporter erspart, wenn es Schlachtbetriebe vor Ort noch gäbe. Fazit: Diese Pandemie zeigt uns die Mängel der globalen industriellen Fleischwirtschaft auf. Wir müssen uns wieder auf dezentrale Schlachtbetriebe vor Ort konzentrieren. Diese müssen gefördert und nicht bekämpft werden. Da gilt es bei der Politik umzudenken!

Karl Ederle, Bissingen

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