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Grünschnitt und Gras sind zwei Paar Stiefel

Müll Die Trennung ist Voraussetzung für ein effizientes Verwertungskonzept des Landkreises. Ärger um Biotonne wird nochmals aufgearbeitet. Von Uwe Gottwald

Größere Mengen verlaubtes Material nimmt der Abfallwirtschaftsbetrieb auch direkt in seinem Kompostwerk an. Foto: Holzwarth
Größere Mengen verlaubtes Material nimmt der Abfallwirtschaftsbetrieb auch direkt in seinem Kompostwerk an. Foto: Holzwarth

Der wöchentliche Abfuhrtermin von Biomüll in den Sommermonaten im Kreis Esslingen hat in den vergangenen Wochen für Wirbel gesorgt. Letztlich gibt es ihn doch, allerdings mit Verspätung. Die Freien Wähler fragten im Kreistagsausschuss über die Hintergründe der Termin-Debatte und gleichzeitig nach, ob man weitere Sammelplätze für Grasschnitt und Laub öffnen könne.

Die vom Landkreis nach einem öffentlichen Vergabeverfahren beauftragte Esslinger Firma Scherrieble hatte angekündigt, Probleme mit dem Abfuhrtermin zu bekommen, der von Juni bis September wöchentlich statt zweiwöchentlich wie im restlichen Jahreszeitraum angeboten wird. Wegen der Coronakrise sei zusätzliches Personal nicht zu bekommen, außerdem führte die Firma ihr Sicherheitskonzept zum Schutz vor Infektionen an. Die Kreisverwaltung stimmte zu und auch im zuständigen Kreistagsausschuss wurde das akzeptiert. Nachdem von verschiedener politischer Seite aus danach doch Kritik laut wurde, kam es dazu, dass es doch den wöchentlichen Termin gibt, auch weil sich die Krise entspannt und damit einhergehende Beschränkungen gelockert worden seien.

Im Ausschuss für Technik und Umwelt lagen Fragen dazu vor, die von der Fraktion der Freien Wähler eingereicht worden waren. Landrat Heinz Eininger betonte, dass Verhandlungen mit anderen Firmen, wie sie von politischer Seite von der Verwaltung gefordert wurden, aus vergaberechtlichen Gründen Sache der beauftragten Firma Scherrieble gewesen seien. Nur sie könne in Form von Unterstützung durch Subunternehmen aktiv werden. Der Landrat räumte aber auch ein: „Es mag ein Fehler gewesen sein, dem Anliegen der beauftragten Firma zu früh stattzugeben.“ Man habe die Genehmigung erteilt, Subunternehmen mit ins Boot zu holen.

Die Freien Wähler fragten auch nach Konventionalstrafen für die Firma und eventuellen Auswirkungen auf die Müllgebühren und ob der Anbieter bei einer Neuausschreibung ausgeschlossen werden könne. Mit dem 6. Juli starte der wöchentliche Rhythmus einen Monat später, werde dafür aber um einen Monat bis Anfang November ausgedehnt, so Eininger. Das habe noch den Vorteil, dass Herbstschnitt mit entsorgt werden könne. Die Minderleistung sei damit ausgeglichen, hinsichtlich der Gebühren ergebe sich keine Änderung. Ein Ausschluss könne letztlich erst bei einer Neuausschreibung beurteilt werden, bisher aber habe es mit Ausnahme des letzten Herbstes keine Beanstandungen gegeben, auch sei die besondere Situation zu berücksichtigen.

Kreis unterstreicht Vorzüge

Die Freien Wähler regten gleichzeitig an, weitere Grünschnittsammelplätze so umzurüsten, dass dort Grasschnitt und reine Laubfraktionen abgegeben werden können. Das entlaste die Abfuhr, auch verringere es das Problem von gärendem Gras in der Biotonne. Der Landrat und Manfred Kopp legten jedoch dar, dass dies eine grundlegende Abkehr vom derzeitigen Konzept sei. Auf den Grünschnittplätzen wolle man verholztes Material, das mit möglichst wenig Laub und schon gleich gar nicht mit Gras durchmischt ist. Aus dem verholzten Material gewinne man zum größten Teil Holzhackschnitzel, mit denen größere Heizanlagen im Landkreis bedient werden.

Auf der anderen Seite erfasse man organisches Material aus dem Hausmüll einschließlich Gras und reines Laub in der Biotonne und gewinne so ein ideales Gemisch, um in der Kompostieranlage in Kirchheim hochwertigen Kompost herzustellen. Mit Fertigstellung der Vergärungsanlage im Kreis Böblingen, mit dem man kooperiere, werde künftig aus diesem Gemisch auch Biogas gewonnen, der Gärrest wiederum in Kirchheim kompostiert, so Kopp. Bisher sind nur wenige Grünschnittsammelplätze im Kreis einschließlich der Kirchheimer Kompostieranlage technisch so ausgelegt, dass dort auch Gras und Laub getrennt angenommen werden können. Dort muss anfallendes Wasser gesammelt und über die Kanalisation abgeführt werden. Das verursache erhebliche Kosten im Bau und Betrieb, was sich wiederum negativ auf die Müllgebühren niederschlüge. Auch bräuchte es zusätzliche Flächen zur getrennten Behandlung von Gras beziehungsweise Grünschnitt, die schwer oder gar nicht zu bekommen seien. Für größere Mengen an Gartenabfällen wird überdies die größere saisonale Biotonne empfohlen.

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