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Gute Chancen für S-Bahn nach Nürtingen

Nahverkehr Eine Diskussionsrunde der Nürtinger CDU hat sich mit einem möglichen S-Bahn-Anschluss in Nürtingen befasst. Fazit: Es könnte klappen, wenn alle ihre „Hausaufgaben“ machen. Von Philip Sandrock

Derzeit fährt die S-Bahn über Wendlingen nach Kirchheim. Die S¿1 nach Nürtingen ist noch Zukunftsmusik. Foto: Holzwarth
Derzeit fährt die S-Bahn über Wendlingen nach Kirchheim. Die S¿1 nach Nürtingen ist noch Zukunftsmusik. Foto: Holzwarth

Jürgen Wurmthaler, leitender Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur des Verbands Region Stuttgart, ist zuständig für den Ausbau des Nahverkehrsangebots - und war auf der Diskussionsrunde der Nürtinger CDU voll des Lobes über die guten Voraussetzungen, die Nürtingen für einen Anschluss ans S-Bahn-Netz mitbringt. In der gesamten Region gebe es einen Ansturm auf den öffentlichen Personennahverkehr, sagt er. Schon 2018 hätten die Fahrgastzahlen mit 435 000 deutlich über den Prognosen gelegen, der Trend werde weiter anhalten, ist sich Wurmthaler sicher.

„Umsteigeknoten erster Güte“

Vom Bahnprojekt Stuttgart 21 und der ICE-Neubaustrecke über die Fildern profitiere Nürtingen: „Nürtingen rückt näher an Stuttgart“, sagte Wurmthaler. Denn durch die Bahnstadt werde neuer Wohnraum mit ÖPNV-Anschluss geschaffen. Mit der Tälesbahn, den neuen Metropolexpressen und die mögliche S-Bahn werde in Nürtingen ein „Umsteigeknoten erster Güte“ entstehen. Nach der Fertigstellung von S 21 werden Fahrgäste von Nürtingen aus in wenigen Minuten zum Flughafen und in 18 Minuten zum Stuttgarter Hauptbahnhof gelangen. Die Verkehrsplaner rechnen für Nürtingen mit 4500 zusätzlichen Fahrgästen pro Tag - in beide Richtungen.

Nach der Inbetriebnahme von S 21 soll die Linie S 1 im 15-Minuten-Takt fahren. Sie könnte entweder bis Kirchheim weitergeführt werden - dazu müsste allerdings die Strecke zwischen Wendlingen und Kirchheim für mehrere Millionen Euro zweigleisig ausgebaut werden. Oder sie könnte ab Wendlingen im Wechsel nach Kirchheim und über Oberboihingen nach Nürtingen fahren. Das wäre nicht nur wesentlich günstiger und schneller umzusetzen, sondern hätte auch das höhere Fahrgastpotenzial, betonte Wurmthaler. Auch bei dieser Variante seien Umbauarbeiten erforderlich, allerdings hauptsächlich an den Bahnsteigen und Signalanlagen. So müssten in Wendlingen und Oberboihingen die Bahnsteige für die S-Bahn verlängert und erhöht werden, damit man barrierefrei zusteigen kann.

Dass Nürtingen jetzt eine S-Bahn will, sei ein Quantensprung, sagte Landrat Heinz Eininger in der anschließenden Diskussionsrunde, die CDU-Stadtverbandsvorsitzender Thaddäus Kunzmann moderierte. Jahrelang habe es von Nürtinger Seite geheißen: „Die S-Bahn brauchen wird nicht, wir haben ja den Regionalexpress“, so Eininger. Er betonte, dass nur ein funktionierender und gut getakteter Nahverkehr das tägliche Stauchaos auf den Hauptverkehrsstraßen im Landkreis lösen könne. Ein Vorteil der S-Bahn-Anbindung nach Nürtingen sei auch der günstige Preis seiner Umsetzung: so entfalle eine aufwendige Nutzen-Kosten-Analyse der sogenannten standardisierten Bewertung, da die geschätzten Kosten unter der dafür vorgesehenen Bagatellgrenze von sieben Millionen Euro lägen. Eininger wies aber darauf hin, dass es beim S-Bahn-Halt in Nürtingen nicht bleiben dürfe - „Wir dürfen die Tangentiale nicht aus den Augen verlieren“, so der Landrat - gemeint ist der Ringschluss auf die Fildern. Dieser werde gerade in einer Machbarkeitsstudie untersucht, erläuterte Jürgen Wurmthaler.

Christoph Nold, Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer, betonte, dass ein S-Bahn-Anschluss vor allem dann seine Stärken ausspielen könne, wenn die Anbindung stimmt. Ein günstiger Fahrpreis nütze nichts, wenn man mit dem ÖPNV zur Arbeit doppelt so lange brauche wie mit dem Auto - deshalb plädierte er dafür, auch die Verbindungen von den S-Bahn-Haltepunkten zu den Arbeitsstätten auszubauen.

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