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Gute Reise

Dieses Einschreiben muss zur Post“, sagt der Mann, bevor er für zwei Tage auf Dienstreise entschwindet - und wundert sich bei seiner Rückkehr, dass die Frau die Aufforderung nicht gehört hat und der Brief deshalb nicht auf magische Weise zur Post gewandert ist. Nur dumm, dass sich in dem Brief ein Gutschein der Deutschen Bahn befindet, den der Mann vor seiner Abfahrt per ebay-Kleinanzeigen an einen Münchner verkauft hat. Der möchte damit eine Reise antreten, und zwar nicht irgendwann in ferner Zukunft, sondern in circa 30 Stunden im Morgengrauen. Was tun? Das Express-Paket kommt um 9 Uhr morgens an, also vier Stunden zu spät. Der Express-Kurier-Service verlangt für die prompte Zustellung des Gutscheins läppische 300 Euro. Super. Der Mann blickt verzweifelt zur Decke, rauft sich die Haare, sieht vor seinem inneren Auge den Anwalt des Käufers mit der Klage wedeln und seine ebay-Kleinanzeigen-Bewertung in den Keller rauschen. Der Käufer ist offensichtlich auch nicht mehr Herr seiner Sinne, überlegt schon, ob er mit dem Auto 260 Kilometer nach Kirchheim und wieder zurück fahren soll, um den Gutschein abzuholen.

Da hat der Mann die rettende Idee: Auf „Mitfahrzentrale“ treibt er einen Menschen auf, der am nächsten Tag von Stuttgart/Flughafen in die bayerische Provinz fährt. Am Telefon erzählt der Mann ihm mit entwaffnender Ehrlichkeit die ganze Geschichte (den Anteil der Frau lässt er - ritterlich wie er ist - natürlich weg), und am nächsten Morgen wird der Brief auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants an der Autobahn übergeben. Am Nachmittag nimmt der erleichterte Käufer den Gutschein aus den Händen des Fahrers entgegen. Ende gut, alles gut.

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