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Hängepartie am Wielandstein

Natur Das Oberlenninger Wahrzeichen und die Wanderwege unterhalb sind seit gut sechs Jahren gesperrt. Auslöser für den „Lockdown“ war ein Felssturz. Von Anke Kirsammer

Die Felsen sind ein Markenzeichen der Schwäbischen Alb. Doch genau diese markanten Formationen, die Kletterer anziehen und herrliche Ausblicke garantieren, schränken Wanderer immer mehr ein. Gut sechs Jahre ist es her, dass große Teile des Wielandsteins ihren Halt verloren. Rund 300 Kubikmeter Gestein schlugen damals eine 25 Meter breite Schneise in den Wald oberhalb des Tobeltals. Seitdem ist das einstige Klettereldorado, das vom Anfänger bis zum Könner insgesamt 41 Routen zu bieten hatte, gesperrt. Abgeriegelt ist nicht nur das Oberlenninger Wahrzeichen, auch die Wege unterhalb der Ruine dürfen nicht mehr begangen werden. - Das, obwohl der Fels auf der rückwärtigen Seite abgegangen war. Beiseite geschobene Absperrgitter zeigen, dass längst nicht alle Wanderer das Durchgangsverbot beachten.

Dass der Aufstieg auf die Alb übers „Wielandsteinwegle“ und die „Schafsteige“ verwehrt ist, reißt ein großes Loch in das Wegenetz im Lenninger Tal. Das wird auch auf der Internetseite der Gemeinde deutlich. Dort finden sich Wandertipps, genauso aber der Hinweis, die Tour über Wielandstein, Mittagsfelsen und Sulzburg - seit jeher ein Klassiker für örtliche Wanderer - sei aufgrund des Felssturzes nicht möglich.

Der Gemeinde als Verantwortliche scheinen die Hände gebunden. Auf das Reizthema angesprochen, gibt sich Bürgermeister Schlecht ungewohnt wortkarg. „Es gibt keinen neuen Verfahrensstand“, sagt er. Nur soviel: Man sei mit dem Revierförster auf der Suche nach einer Lösung.

Das Gebiet bleibt mindestens so lange gesperrt, bis absehbar ist, ob weitere Abgänge zu erwarten sind, hieß es im Januar 2015 unmittelbar nach dem Felssturz vonseiten der Behörden. Da lose Brocken in dem zerklüfteten Kalkstein hingen, wurden weitere Abbrüche nicht ausgeschlossen. Schon damals war klar, dass es für eine Sicherung ein geologisches Gutachten braucht. Von Anfang an betonte der Rathauschef: „Das Ergebnis ist offen.“ Ein halbes Jahr nach dem Abbruch schien es, als könnte der Wielandstein auf der Grundlage des Gutachtens wieder zugänglich und das Kletter-Eldorado mit minimalen Eingriffen gesichert werden. Loses Material sollte vorsichtig abgeräumt und größere Blöcke, die abzurutschen drohen, mit vier bis fünf Meter langen Nägeln fixiert werden. Für die naturverträgliche Lösung wurden 33 000 Euro angesetzt.

Dass bis heute zur Felsstabilisierung keine Bohrmaschinen dröhnten, ist der „Seilschaft an Sicherern“ zu verdanken. Denn der wie ein abgebrochener Zahn in die Landschaft ragende Torso gehört nicht nur zum Naturschutzgebiet Tobeltal mit Mittagsfelsen und Wielandstein, sondern ist auch Teil eines Natura-2000-Gebiets, und er liegt in einem geschützten Waldbiotop. Beachtet werden müssen zudem die Richtlinien eines Flora-Fauna-Habitat- (FFH) und eines Vogelschutzgebiets. „Beschlusslage des Gemeinderats ist, die Sanierung trotz der Kos- ten zu machen“, sagt Schlecht, aber nicht, wenn vorab die vom Regierungspräsidium (RP) geforderten zusätzlichen Gutachten erstellt werden müssten. Die Kosten dafür seien höher als die für die Sanierung. „Reine Verkehrssicherungsmaßnahmen, die ohne zusätzliche Gutachten umsetzbar sind, konnten wir nicht entdecken“, so der Bürgermeister.

Das RP lässt indes wissen, wenn bei umfangreicheren Verkehrssicherungsmaßnahmen in Schutzgebiete eingegriffen werde, müsse der Verursacher nachweisen, dass keine Verschlechterung erfolgt - soweit ein FFH-Gebiet betroffen ist. Beim Artenschutz dürfe nicht gegen Verbote des Bundesnaturschutzgesetzes verstoßen werden. Dies erfolge in der Regel über artenschutzrechtliche Gutachten beziehungsweise eine FFH-Verträglichkeitsprüfung.