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Hart und heftig

Konzert Der finnische Ausnahmegitarrist Ben Granfelt, der auch schon bei Wishbone Ash für brachialen Sound sorgte, hat mit seiner Band den Kirchheimer Club Bastion gerockt. Von Rainer Kellmayer

Extrem laut und doch melodisch: Die Ben Granfelt Band hat die Gäste in der Bastion in ihren Bann gezogen.
Extrem laut und doch melodisch: Die Ben Granfelt Band hat die Gäste in der Bastion in ihren Bann gezogen.

Mit den Openern „Mind your Head“ und „Rock me“ hat Ben Granfelt bei seinem Auftritt im Kirchheimer Club Bastion sofort gezeigt, wo’s langgeht: Hart und heftig wurde gerockt, der Blues als Basis der Granfelt’schen Songs schimmerte jedoch stets durch. Dabei wurden die Ohren der Zuhörer durch mächtige Phonzahlen ordentlich beansprucht. Granfelt sah es gelassen: „If it’s too loud, you’re too old“, verkündete er mit dem ihm eigenen Humor.

Einige Jahre lang hatte der aus Helsinki stammende Gitarrist und Sänger den Sound der britischen Rockband Wishbone Ash geprägt, jetzt macht er sein eigenes Ding. Und das mit Erfolg, wie der grandiose Auftritt in der Bastion zeigte. Knallharter Beat füllte den Kellerraum, wobei Granfelts Leadgitarre den Sound dominierte. Fast etwas zu sehr, denn in den Klanggewittern von Akkorden und Gitarrenläufen ging seine Stimme gelegentlich etwas unter.

Dafür entschädigte Granfelts fulminantes Gitarrenspiel. Technisch scheint es für ihn keine Grenzen zu geben, und auch der Sound seines Instruments schillerte in mannigfachen Farben. Freilich half hier die Elektronik ordentlich nach, doch die muss man auch zu bedienen wissen. Für Granfelt kein Problem: Gitarrenkunst und Soundeffekte verbanden sich aufs Beste. Mit seinen Mitstreitern Masa Maijinen, der in stoischer Ruhe die Basslinien legte, und dem Drummer Santeri Saksala verstand er sich blind. Kein Wunder, schließlich tourt man schon seit Jahren zusammen durch die Welt. Den vokalen Part bestimmte Granfelt klar, doch in den Tuttis und Refrains mutierten Bassist und Schlagzeuger zu Backgroundsängern, die dem Sound eine eigene Note gaben. Ob in „Open Road“ oder dem funkigen „Check up“ - Granfelts Gitarrensoli rissen das Publikum immer wieder mit. Kein Chorus war wie der andere, der Bandchef sprühte vor Ideenreichtum und Vitalität. Starke Melodien trafen auf hartnäckig treibende Grooves und ständig wechselten die Stimmungen: Der von Granfelts Trio zelebrierte Classic Rock entwickelte eine atmosphärische Dichte, die das Publikum in den Bann zog. Zwar durfte dieses in Corona-Zeiten nicht tanzen, doch die Füße wippten, und manche sangen gar hinter der Maske die Refrains mit. Immer wieder gab Granfelt ordentlich Gas. Er schwang sich zu phonstarken Gipfeln hinauf und brachte sein Instrument mit halsbrecherischen Saitenspielen zum Glühen. Dass er auch anders kann, zeigten die durchsichtigen Klänge in „A better Place“. Hier zauberte der Gitarrist wunderschöne filigrane Töne aus seinem Instrument: Eine Aura von fast kammermusikalischer Durchsichtigkeit entstand. Doch damit war’s bald vorbei. In den Blues- und Funk­titeln griff Granfelt wieder ordentlich in die Saiten, der Drummer sorgte für einen kernigen Puls und markant gesetzte Bassgänge grundierten den Bandsound. Überstrahlt wurde jedoch alles von den flirrenden Gitarrensoli. Und obwohl Granfelt ein ums andere Mal technische Kabinettstückchen aus dem Sechssaiter zupfte, gerieten seine musikalischen Eskapaden nie zur reinen Selbstdarstellung: Stets standen die virtuosen Aktionen im Dienst der Songs. Gelegentlich nahm die Band die Lautstärke etwas zurück, doch dann ging die Post wieder voll ab. Titel wie „Hey Stranger“ oder „Groove Thing“ heizten mächtig ein: Granfelt und seine Mitstreiter zogen alle Register ihres Könnens und brachten die Bastion zum Kochen: Die Band wurde von den begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörern gefeiert und mit Beifall geradezu überschüttet.

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