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Heiße Luft, toll verpackt

Zum Artikel „Stuttgart 21 soll 8,2 Milliarden Euro kosten“ vom 26. Januar und dem Kommentar „Teurer, später, peinlicher“ vom 27. Januar

Im Kommentar zur Kostensteigerung für Stuttgart 21 wirft Roland Muschel die Frage auf, warum es Deutschland nicht gelingt, Großprojekte belastbar zu planen. Ich möchte eine Antwort versuchen. Fast jeder neigt dazu, sich das, was er haben möchte, schön zu rechnen. Neues Auto, Küche, Urlaub, Haus . . . hinterher kommt es doch immer etwas teurer als „geplant“; - wenn auch nicht gleich um das Doppelte.

Das weitaus schwerwiegendere Problem liegt in der Änderung der Managementkultur wie ich sie seit gut zehn Jahren beobachte. War früher Wissen und Erfahrung ein Maßstab für Befähigung, so scheint Wissen heute eher eine Belastung. Unter dem Einfluss neuerer „Managementlehren“ gilt offenbar das Selbstmarketing des Einzelnen und die Optimierung der persönlichen Einkommenssituation als Maxime. Wer heiße Luft geschickt verpackt, gilt als kompetent - und wenn es ernst wird, ist er oder sie - gemäß der gängigen Management-Theorien spätestens nach drei Jahren etwas anderes zu machen, wovon man keine Ahnung hat, längst in einer anderen Abteilung, einem anderen Unternehmen oder in der Politik.

Und damit zum nächsten Schwachpunkt. Für die Kontrolle von Mammutprojekten gibt es auf allen Ebenen der Politik weder ausreichend Kompetenz noch Ressourcen. Also holt man sich ein paar Berater aus dem Kreis der zuvor angesprochenen Dampfblasen. Was soll da dann bitte kritisch hinterfragt werden? Folglich wird man wieder belogen. So schließt sich der Kreis. Zur Verantwortung wird niemand gezogen. Warum auch? Der Bund zahlt. Also wer zahlt? Richtig - Sie und ich.

Bodo Lorenz, Schlierbach

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