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Hesse und Kirchheim

Zum Artikel „Neue Biografie räumt mit Hesse-Klischees auf“ vom 21. September

Als Zuhörer des interessanten Vortrags habe ich mir jetzt auch das Hesse-Buch Schwilks zugelegt. Vermutlich hatte das Manuskript ursprünglich den doppelten Umfang und wurde kräftig zusammengestrichen. Das Buch weist deshalb ein paar merkliche Brüche auf. Deshalb will ich zur Kirchheimer Lulu-Szene noch ein paar Lichter beisteuern, denn Schwilk gibt auf Seite 92 den eigentlichen Grund für das Treffen des „petit cénacle“ in Kirchheim gar nicht an. Die Tatsache, dass das Mitglied Rupp aus Kirchheim stammte, spielt dabei nämlich keine Rolle. Gefeiert werden sollte ein ganz anderes Event. Und dazu eingeladen hatte der aus Reutlingen stammende Jurist Ludwig Finckh („Ugel“ genannt) auf Briefbogen mit der eingedruckten Adresse „Steinstraße 1 in Kirchheim unter Teck“.

Finckh war nämlich nach Abschluss seines Jurastudiums Gerichtsreferendar in Kirchheim geworden, hatte es dabei aber mit so lamentablen Fällen zu tun, wie durch die „Herrschaften“ geschwängerten Dienstmädchen, Mundraub und so weiter. So hatte er beschlossen, der Juristerei den Abschied zu geben und das in Kirchheim mit seinen Freunden zu feiern.

Finckh ging darauf nach Freiburg, um Medizin zu studieren und schwärmt dann in einem Brief von dort an seine Freunde vom Cénacle über die Wunder eines von Professor Dr. med. R. Wiedersheim sezierten menschlichen Körpers. Dort erwarb er den Dr. med.-Titel. So kommen wir auf diesem Wege nochmals nach Kirchheim, denn Professor Wiedersheim war Lateinschüler in Kirchheim gewesen und hat das in seiner Selbstbiografie beschrieben. Sein Onkel war der Jesinger Pfarrer Wiedersheim, und der Textilindustrielle Otto war sein Großvater.

Thilo Dinkel, Kirchheim

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