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Heute wird mehrfach gestempelt

Pilgern „Mein Pilgerweg“ erstreckt sich heute über 22 Kilometer von Jebenhausen bis Bodelshofen. Die Strecke wartet mit vielen Höhepunkten auf – Proviant sollten Pilger sicherheitshalber dabeihaben. Von Rainer Hauenschild

Die Jakobskirche in Bodelshofen (oben) ist Ziel der heutigen Wanderung. Dort gibt es einen besonders schönen Stempel (links). De
Die Jakobskirche in Bodelshofen (oben) ist Ziel der heutigen Wanderung. Dort gibt es einen besonders schönen Stempel (links). Der aussichtsreiche Weg führt von Jebenhausen über Notzingen bis Bodelshofen.Fotos: Markus BrändliKarte: Jakobswegteam

Die Tradition der Jakobswege basiert auf folgender Geschichte: Nach der Hinrichtung des Jakobus, einem der zwölf Jünger Jesu, stahlen zwei seiner Freunde den Leichnam und verschifften ihn im Hafen von Jaffa. Sieben Tage lang war er mit einer Besatzung von unsichtbaren Engeln im Mittelmeer unterwegs, bis das Schiff an der Atlantikküste Galiziens strandete. Der leblose Körper wurde auf einen Ochsenkarren verladen und an dem Ort begraben, an dem sich die Ochsen niederließen, in Santiago de Compostela.

Dorthin führen zahllose „Jakobswege“. Auch Jebenhausen, ein Teilort von Göppingen, liegt an einem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Die heutige Etappe beginnt dort und führt über 22 Kilometer von Jebenhausen nach Bodelshofen.

Diese Strecke ist Teil des Jakobsweges von Neresheim nach Rottenburg am Neckar, eigentlich eine Querspange, die drei Jakobswege verbindet. Der Neresheimer Jakobsweg führt über Bargau, einem Teilort von Schwäbisch Gmünd, nach Göppingen und trifft in Bodelshofen auf die Ostvariante des Esslinger Jakobswegs. Im Abschnitt zwischen Bargau und Bodelshofen ist zudem noch ein Gesundheitspfad eingerichtet. Als Symbol dafür wurde die Hand gewählt, die die fünf Gesundheitsthemen Sport, Glauben, Natur, tägliches Brot und Medizin einprägen sollen.

Ohne große Höhenunterschiede führt die Wanderung von Jebenhausen entlang des Heimbachs mit längeren Abschnitten durch Wald und Felder nach Bodelshofen. Es geht zunächst noch in Jebenhausen vorbei am Schloss Liebenstein aus dem Jahr 1686, das sich heute in Privatbesitz befindet. Besichtigungen sind daher möglich. Einem fußfreundlichen Graspfad folgt der Pilger dann durch ein idyllisches Tal, von wo aus man nach kurzer Zeit schon die ersten Häuser der Siedlung Schopflenberg zu sehen bekommt. Durch diese Siedlung und eine Unterführung geht es in Richtung der Kleintierzüchter-Anlage Bezgenriet mit öffentlicher Gastwirtschaft, die von den Einheimeimischen „Hasenheim“ genannt wird. Sie ist von Mittwoch bis Freitag ab 16 Uhr geöffnet, am Samstag und an Sonn- und Feiertagen ab 10 Uhr.

Weiter führt der Weg am Waldrand entlang mit tollem Ausblick zurück auf die drei Kaiserberge Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen. Über einen Holzsteg am Bach geht es weiter auf schmalen Pfaden durch ein weiteres schön gelegenes Tal auf den Ort Hattenhofen zu. Doch die Jakobsmuschel leitet die Pilger am Ort vorbei nach links. Auf dieser Route zeigen sich bereits einige Weihnachtsbaumkulturen des Uhlandhof sowie Shropshire-Schafe. Und wieder tauchen am Albtrauf die drei Kaiserberge auf.

Nun geht es weiter über die Kreuzeiche durch den Wald und immer weiter nach Notzingen. Dort fallen Versuchsflächen zur natürlichen Aufforstung auf. Beim Verlassen des Waldes erkennt man schon die ersten Häuser von Notzingen. Die dortige Jakobuskirche befindet sich an der Ortsdurchfahrt an der Kircheimer Straße. In einer Sammelbox wartet der beliebte Pilgerstempel. Bereits im Jahr 1360 gab es in Notzingen eine Kapelle, die dem Heiligen Jakob geweiht war. Die Stele wurde übrigens aus Schwemmholz angefertigt.

Von Notzingen aus geht es weiter durch die Talstraße entlang dem Bodenbach zum Wernauer Ortsteil Freitagshof mit einem schön angelegten Rastplatz, vorbei an einem Wegkreuz und quer durch die Baumallee des Golfplatzes. Von diesem Platz aus begeistert wieder die Aussicht auf die Schwäbische Alb.

Jakobswegpilger sind im Res- taurant des Golfplatzes willkommen. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag ab 10 Uhr. Von hier aus sind es nur noch wenige Meter abwärts bis zur Jakobskirche Bodelshofen. Dort wartet in einem Holzkasten der nächste Pilgerstempel. Wer die Jakobskirche in Bodelshofen besichtigen möchte, sollte dies vorher mit der evangelischen Kirche Wendlingen absprechen. In Bodelshofen endet diese über 22 Kilometer lange Etappe.

Rainer hauenschild, Jakobsweg, Pilgerwart, pilgern, Jakobskirche Bodelshofen
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Jakobswegweiser ab Jebenhausen
Jakobswegweiser ab Jebenhausen

Tipps und Fakten zum Weg

Startpunkt der heutigen Etappe ist das Jüdische Museum in der Boller Straße in Jebenhausen. Das Museum befindet sich in der Alten Kirche, und so heißt auch die Bushaltestelle davor. Erreichbar ist sie mit Bussen von Göppingen und Weilheim. Die Rückreise ist ab Wendlingen oder Ötlingen per Bus möglich. Genügend Proviant sollten Pilger dabeihaben, da die Möglichkeiten zur Einkehr und zum Einkaufen rar sind, zumal der Weg manche Orte buchstäblich links liegen lässt. In Notzingen gibt es Geschäfte und Restaurants, unterwegs gibt es ‒ wenn die Zeit passt ‒ die im Text genannten Einkehrmöglichkeiten. Als Pilgerführer für die 22 Kilometer umfassende Etappe und auch zur Gesamtübersicht eignet sich „Der Jakobsweg von Neresheim bis Rotten­burg mit dem Göppinger Gesundheitspfad“. Das Werk ist erhältlich beim Jakobswegteam Winnenden, das auch weiterreichende Informationen bereithält.hau

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