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Hier spielt die Musik

Tradition Der Blasmusikverband Baden-Württemberg hat am gestrigen Freitag in Plochingen das Musikzentrum eröffnet. Der rund 24 Millionen Euro teure Bau wurde trotz Corona pünktlich fertig. Von Thomas Krytzner

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Das ist der zweite Höhepunkt nach der Gründung in der 44-jährigen Geschichte des Blasmusikverbands Baden-Württemberg“, freut sich dessen langjähriger Vorsitzender Rudolf Köberle. Rund zweieinhalb Jahre dauerte der Bau des Musikzentrums in Plochingen. Die zwei neuen, knapp 24 Millionen Euro teuren Gebäude bieten der Amateurmusik im Land ein neues Zuhause. Das Land Baden-Württemberg fördert den Bau mit 11,8 Millionen Euro. Rudolf Köberle, der rund 106 000 Musikerinnen und Musikern im Blasmusikverband vorsteht, bezeichnet das Zentrum als Heimat für die Musik. „Zehn Jahre dauerte der Weg von der Idee bis zur heutigen feierlichen Eröffnung.“

Plochingens Bürgermeister Frank Buß, den Rudolf Köberle auch als Bürgermeister der Blasmusik sieht, bezeichnete die Eröffnung des Musikzentrums an der Eisenbahnstraße als Festtag für seine Stadt. Er erinnerte an den Spatenstich im November 2017. „Da war es trüb und bitterkalt. Umso schöner, dass die Eröffnung jetzt an einem herrlichen Spätsommertag stattfindet.“ Der Schultes hofft auf eine gute Nachbarschaft mit dem Blasmusikverband und freut sich auf die gemeinsame Entwicklung: „Plochingen wird zur ersten Adresse der Amateurmusik.“ Als vor zwölf Jahren die Stadtkante an der Bahnlinie neu ausgerichtet werden sollte, entstanden dort zuerst die neue Feuerwache und die Rettungswache der Malteser, so der Bürgermeister. „Die Stadt hat sich bewusst für das Musikzentrum als weiteres Großgebäude in der Eisenbahnstraße entschieden, da davon der Handel und die Gastronomie profitieren können.“

Staatssekretärin Petra Olschowski vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sprach bei der Eröffnung von einem außergewöhnlichen Tag. „Für die Landesregierung ist das Engagement für die Amateurmusik ein besonderes Anliegen“, betonte die Ministerin. Der gemeinsame Austausch im Zentrum steigere die Qualität der Musik. Das Land habe einerseits mit 11,8 Millionen das Gebäude in Plochingen gefördert und andererseits neun Millionen in die Musikakademie in Staufen investiert.

Amateurmusik im Zentrum

Petra Olschowski ist überzeugt, dass das neue Zentrum in Plochingen zum Haus der Begegnung wird. „Wer in einem Orchester spielt oder im Chor singt, lernt, bei sich selbst zu bleiben und in der Gemeinsamkeit aufzugehen“, findet die Staatssekretärin und sieht dadurch besondere Herausforderungen, um das Ehrenamt weiter zu fördern. Die Architektin Jòrunn Ragnarsdóttir setzte gemeinsam mit ihrem Kollegen, Architekt Marc Oei, auf nachhaltige Bauweise: Sie haben sich für die massive Ziegelbauweise entschieden und nur hochwertige Materialien verwendet. Dadurch versprechen sie sich, dass die beiden Gebäude auch noch in 50 Jahren solide dastehen. Der gemeinsame Innenhof soll Arbeit und Wohnen verbinden. In einem Gebäude sind Zimmer für 104 Übernachtungsgäste sowie eine Mensa und eine Bar vorhanden, und im zweiten Gebäude sind sechs Proberäume und Büroräume für 40 Menschen untergebracht.

Marc Oei bekräftigt: „Wenn ein Haus gut wird, dann bereitet es auch Spaß.“ Der Wunsch beider Architekten ist, dass sich jeder in diesem Haus wohlfühlt, „ob nun allein oder in Gesellschaft“. Die Beschaffenheit der Proberäume sei so ausgerichtet, dass sich die Musikerinnen und Musiker selbst beim Spiel hören können. Ralf Krasselt, Geschäftsführer des Blasmusikverbands Esslingen, ist gespannt, ob sich die neuen Proberäume bewähren. „Bis jetzt haben wir noch nicht mit großen Orchestern geprobt“, erklärte er.

Bei der Eröffnungsfeier, die wegen Corona nur eintägig stattfand, gab es eine Gesprächsrunde, an der unter anderen auch Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrats, sowie der Landesmusikdirektor Bruno Seitz teilnahmen. Im Anschluss wurde der Grundstein gelegt im Beisein von Landesbischof Dr. Frank Otfried July, Evangelische Landeskirche, sowie dem katholischen Weihbischof Dr. Gerhard Schneider. Die Feier wurde von verschiedenen Musikensembles umrahmt.

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Impulsgeber für die gesamte Amateurmusik

Zweieinhalb Jahre dauerte der Bau der neuen Heimat der Musik in Plochingen. Die Kosten: rund 24 Millionen Euro. Das Land Baden-Württemberg fördert das Musikzentrum mit 11,8 Millionen Euro. Unter dem Dach sind neben dem Blasmusikverband und seinen Institutionen zahlreiche weitere regionale und überregionale Verbände vereint: Der Schwäbische Chorverband, die Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände, der Landesmusikverband Baden-Württemberg, der Kreisblasmusikverband Esslingen, die Stiftung „Singen mit Kindern“ sowie der Chorverband Karl Pfaff.

Der Blasmusikverband sieht die Fertigstellung des Musikzentrums als Meilenstein in der Zukunftsfähigkeit der Amateur- und Blasmusik. Das Gebäude soll künftig als Bildungs- und Begegnungsstätte sowie als Kompetenznetzwerk beispiels- und impulsgebend für die gesamte Amateurmusik sein. Das Musikzentrum befindet sich in der Plochinger Eisenbahnstraße, rund 300 Meter vom Bahnhof entfernt. kry

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