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„Hugh Grant will man die Nase putzen“

Kultur Der Journalist und Theologe Andreas Malessa und das Musikduo „Vocal Affair“ ergänzten sich bei „Rock und Rede“ in der Schlossscheuer in Weilheim bestens. An diesem Abend ging es um Männer. Von Peter Dietrich

Sandra Schöne und Patrick Schwefel von „Vocal Affair“ sind der musikalische Part bei der Veranstaltung - Andreas Malessa (Bild u
Sandra Schöne und Patrick Schwefel von „Vocal Affair“ sind der musikalische Part bei der Veranstaltung - Andreas Malessa (Bild unten) ­moderiert sie.Fotos: Peter Dietrich

Mathematik, sagt der Journalist und Theologe Andreas Malessa, sei nie seine Stärke gewesen. Wenn aber laut einer Umfrage 69 Prozent der Frauen wollten, dass sich Männer im Haushalt engagieren und viel Zeit mit den Kindern verbringen sollen, dann aber auch zugleich 66 Prozent aller Frauen erwarten, dass der Mann genügend Geld für den Haushalt nach Hause bringe, und nochmals so viele Frauen sich wünschen, dass der Mann einen Freundeskreis pflege, dann sei die Summe eindeutig: Überforderung.

Um Männer ging es an diesem Abend in der Weilheimer Schlossscheuer, zu dem die Stadt Weilheim und der Verein für Kino, Kunst und Kultur im Rahmen des „Sommerlichen Kulturprogramms“ eingeladen hatten. Der sonst sehr gefragte Referent hatte eineinhalb Jahre auf einen solchen Kulturabend live und ohne Kacheln warten müssen und genoss das Publikum. Wie exakt seine Beobachtungen zu Männern und Frauen sind, war am männlichen wie weiblichen Schmunzeln und Lachen zu erkennen.

Als kleiner Junge hat der gebürtige Hamburger Andreas Malessa am Hafen die starken Männer mit ihren dicken Oberarmen bewundert. Inzwischen würden bei Bewerbungen statt Muskelkraft eher Dinge wie „emotionale Intelligenz“ verlangt, also lauter weibliche Eigenschaften.

David gegen Goliath

Vor knapp 3000 Jahren war Headhunter Samuel unterwegs, um die Thronfolge zu regeln. Seine Wahl fiel auf David, der gar nicht zum Bewerbungstermin erschienen war, kümmerte sich lieber um die Schafe. „Ihm ist Fürsorge wichtiger als Karriere, als Hirte berechnet er seine Etappen immer so, dass die Schwächsten mitkommen.“ Wie wäre es, wenn bei der Krisensitzung des DAX-Konzerns im 13. Stock plötzlich der Praktikant mit dem Teewagen verkündet, er habe die Lösung? Ähnlich wunderlich war es wohl, als David, der eigentlich nur Proviant für seine kämpfenden Brüder brachte, mit seiner Hirtenschleuder gegen den Riesen Goliath antrat. Goliath lachte sich schlapp, das war sein großer Fehler. „Es ist immer gut, wenn man unterschätzt wird“, riet Andreas Malessa, „dann kann man die anderen überraschen.“

Eigentlich müssten David und Jonathan Konkurrenten um die Thronfolge sein, doch sie sind enge Freunde. Eine echte Freundschaft sei der Ort, an dem Männer Gefühle zu zeigen lernen - was sie sonst nicht dürfen. „Frauen wissen, dass es Dinge gibt, die ihr Mann besser zuerst mit einem Mann bespricht.“ So wie sie es selbst mit der besten Freundin tun. David hatte emotionalen Zugang zu sich selbst, schämte sich seiner Freudentränen nicht. „Ich empfehle Ihnen, sich eine Jungenhaftigkeit zu bewahren, als Opa auf allen Vieren als Esel mit den Ohren zu wackeln. Glauben Sie nicht, dass Sie Ihr Ansehen verlieren, wenn Sie Ihre Kindlichkeit behalten.“ Nicht umsonst wurde Hugh Grant zum „sexiest man“ gewählt: „Der weckt doch Mütterinstinkte, dem will man die Nase putzen.“

Weiter zur wüsten Seite Davids: König David vergreift sich an Bethseba, der Frau Urias, schickt den General dann auf ein militärisches Himmelfahrtskommando. Der mutige Nathan stellt den Täter, und der erkennt, dass er der Mann geworden ist, der er nie sein wollte, das Recht verhöhnend wie damals Goliath: „David ist ein Ehebrecher, aber kein Weichei.“

Ähnlich gut wie Andreas Malessa kam auch „Vocal Affair“, bestehend aus der Sängerin Sandra Schöne und dem Sänger und Gitarristen Patrick Schwefel, beim Publikum an. Als das Duo nach Ende des offiziellen Teils weiterspielte, wagten Einzelne sogar ein inniges Tänzchen zu bekannten Hits und Klassikern wie „Only One“ von James Taylor oder „Miss Robinson“ von Simon & Garfunkel. Braucht es zu guter Musik mehr als eine akustische Gitarre und zwei gut harmonisierende Stimmen? Nein. Auch wenn der Titel „Rock und Rede“ hieß, gab es eher „Folk und Rede“ mit zarten und leidenschaftlichen Tönen bis hin zu Leonard Cohens „Hallelujah“.

"Rock und Rede" mit Andreas Malessa und Vocal Affair (Sandra Schöne und Patrick Schwefel) in der Schlossscheuer in Weilheim/Teck
"Rock und Rede" mit Andreas Malessa und Vocal Affair (Sandra Schöne und Patrick Schwefel) in der Schlossscheuer in Weilheim/Teck
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