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„Hungerberg rettet nicht die Wirtschaft“

Umwelt Die BUND-Gruppe Kirchheim und Umgebung nimmt Stellung zur Diskussion Hungerberg und zum Wirtschaftsstandort.

Dettingen. In ihrem Bodenschutzbericht mit Schwerpunkt „Boden und Klima“ verweist Bundesumweltministerin Schulze auf die überragende Bedeutung der Böden für die Produktion von Nahrungsmitteln, biologische Vielfalt, Kohlenstoffspeicherung, Grundwasserbildung und Wasserspeicherung. „Bodenschutz ist lebenswichtig“, so ihr Fazit. Beim Verband Region Stuttgart sei diese Nachricht laut einer Pressemitteilung des BUND Kirchheim noch nicht angekommen. Vollmundige Versprechungen aus Wirtschaft und Politik zur Rettung der Umwelt seien das eine. Dem stehe eine auf Wachstum setzende, oftmals mit „grünen“ Zielen bemäntelte Politik entgegen. Für jeden erkennbar könne, so der BUND, das Wachstum der Siedlungsfläche nicht dauerhaft fortgeschrieben werden. Deshalb habe der BUND Kirchheim bereits 1992 eine Festlegung von Obergrenzen der Überbaubarkeit gefordert und um eine Diskussion zu Zielgrößen bei der Einwohnerzahl erweitert.

Keine tragfähigen Konzepte

Das geplante Gewerbegebiet Hungerberg rette nicht den Wirtschaftsstandort Deutschland oder die Region Stuttgart, sondern setze nach Meinung des BUND Fehlentwicklungen fort. Mit dem Gewerbegebiet werde ein neuer Schwerpunkt für Siedlungsentwicklung auf Kirchheimer und Dettinger Gemarkung gesetzt. Die dauerhafte Begrenzung des Gewerbegebiets auf 21 Hektar widerspreche allen Erfahrungen zur Entwicklung von Siedlungsflächen. Die Befürworter des Gewerbegebiets legten keine tragfähigen Konzepte für eine Entwicklung des Siedlungsraumes ohne weiteren Flächenverbrauch vor. „Wie man seit Jahrzehnten beobachten kann, ist damit weiterer Flächenverbrauch für Wohnraum und Gewerbe vorprogrammiert“, so der Vorsitzende des BUND Kirchheim, Prof. Dr. Martin Dieterich.

Die Urbanisierung habe auch für jene Dettinger ihren Preis, die von einer Gewerbesteuerflut träumten. So bleibe nach Einschätzung des BUND der Verlust von Fläche für Naherholung und die regionale Produktion von Lebensmitteln. Der kleinstädtische Charakter wandle sich in Dettingen zum Urbanen, der Straßenverkehr nehme zu. Bezeichnend sei, dass Gutachten zur Verkehrssituation vor dem Bürgerentscheid noch nicht vorlägen. Dabei sei durch das Gewerbegebiet mit einer deutlichen Verschlechterung zu rechnen.

Die Dettinger hätten mit dem „Ja“ beim Bürgerentscheid die Chance, der Forderung nach tragfähigen Entwicklungskonzepten im Bestand das erforderliche Gehör zu verschaffen. „Entwicklung und technischer Fortschritt ja, aber zum Wohle und nicht zum Schaden der Umwelt“, fordert der BUND Kirchheim.pm

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