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Im Asahi geht die Sonne unter

Insolvenz Das älteste und lange Zeit erfolgreichste Sportstudio in Kirchheim ist pleite. Der Lockdown während der Pandemie ist mit ein Grund, aber längst nicht der einzige. Von Bernd Köble

Das war’s: Im Kirchheimer Asahi hat der Ausverkauf begonnen. Gläubiger können derzeit ihre Forderungen anmelden.Foto: Carsten Ri
Das war’s: Im Kirchheimer Asahi hat der Ausverkauf begonnen. Gläubiger können derzeit ihre Forderungen anmelden.Foto: Carsten Riedl

Rauschende Partys mit Kulturprogramm wurden hier einst gefeiert, ein Welt­rekord im Spinbiking aufgestellt und lokalen Sportgrößen per Formtest auf den Zahn gefühlt. Kirchheims Zweitliga-Basketballer gingen hier ebenso ein und aus wie ein emporstrebender Nachwuchsathlet namens Tobias Unger. Heute ist der deutsche Rekordhalter im Sprint selbst als Unternehmer in der Fitnessbranche tätig. Sein erst vergangenen Herbst eröffnetes Studio liegt fast in Sichtweite des Asahi, wo er vor einem Vierteljahrhundert mit den Grundstein legte für eine außergewöhnliche Karriere als Leichtathlet.

Das jüngste und das älteste Kirchheimer Sportstudio müssen sich das hart umkämpfte Terrain inzwischen nicht mehr teilen. Das Asahi ist Geschichte, der Betrieb pleite. Seit 28. Juni läuft am Esslinger Amtsgericht das Insolvenzverfahren gegen das „Asahi - Zentrum für Fitness und Wellness GmbH“, wie es offiziell heißt. Es geht um Abwicklung, nicht um Sanierung. Im Asahi, das im Japanischen die Morgensonne bedeutet, geht die Sonne endgültig unter. Nachdem erfolglos ein Investor gesucht wurde, wird das Studio - Stand heute - nicht mehr öffnen.

Der lange Lockdown, unter dem alle Studios zu leiden hatten, ist ein Grund, aber nicht der einzige. Insolvenzverwalter Sebastian Schottmüller von der Stuttgarter Kanzlei Menold Bezler spricht von einer langfristigen Entwicklung, die durch Corona stark beschleunigt worden sei. Angespannt war die Lage in der Tat schon bevor das Virus kam. Ende 2018 - ein Jahr vor Ausbruch der weltweiten Pandemie - sank die Bilanzsumme des Unternehmens mit seinen knapp 20 Mitarbeitern gegenüber dem Vorjahr um mehr als 40 Prozent auf bescheidene 77 200 Euro. Ausstattung und Gerätepark waren zuletzt in die Jahre gekommen, wie auch das Gros der am Ende noch rund 800 Mitglieder, das fast ausschließlich aus langjährigen Kunden bestand. Nach Jahren der Modernisierung und Erweiterung waren in dem angemieteten viergeschossigen Gebäude im Gewerbegebiet Bohnau auch der baulichen Entwicklung Grenzen gesetzt. Stillstand ist in der schnelllebigen Branche ein anderes Wort für den Anfang vom Ende.

Damit ist ein Pionier des Körperkults, der in den 70er-Jahren einsetzte, Geschichte. Im Oktober vor vier Jahren feierte das Asahi sein 40-jähriges Bestehen. Was bleibt, ist der Fakt, einer der ers­ten Betriebe dieser Art im ganzen Land gewesen zu sein. Von den Anfängen als ­Kampfsportschule des Firmengründers Holger Mauch (siehe Infoteil) bis zum modernen Wellnesstempel im Gewerbegebiet, der in den 90ern seine Blüte erlebte. Vor zehn Jahren zog sich Mauch als Inhaber und Geschäftsführer zurück und übergab den Betrieb an seinen langjährigen Mitarbeiter und Trainer Bernd Wetzstein.

Ironie des Schicksals: In einem letzten Akt als Verantwortlicher war Holger Mauch Anfang 2012 mit einer Musterklage vor dem Kirchheimer Amtsgericht gescheitert. Der heute 64-Jährige sah angesichts der Pläne für das knapp vier Millionen Euro teure Sportvereinszentrum des VfL Kirchheim die wirtschaftliche Existenz seines Unternehmens durch Wettbewerbsnachteile bedroht. Weil der Verein als gewinnorientierter Studiobetreiber den Boden der Gemeinnützigkeit verlasse, solle der VfL aus dem Vereinsregister gestrichen werden, so die Begründung. Eine Klage, die bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte, schließlich sprossen Vereinszentren vielerorts wie Pilze aus dem Boden. Heute dürfte sich Mauch bestätigt sehen. Etliche der Asahi-Mitglieder haben im Vereinszentrum des VfL an der Jesinger Allee inzwischen eine neue sportliche Heimat gefunden.

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