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In dieser Werkstatt wird viel geredet

Bürgerbeteiligung Beim ersten Nachhaltigkeitsworkshop in Dettingen ging es hauptsächlich um das geplante Industriegebiet Hungerberg. Von Iris Häfner

An Ständen zu unterschiedlichen Themen konnten die Bürgerinnen und Bürger mit den Fachleuten ins Gespräch kommen, Fragen stellen
An Ständen zu unterschiedlichen Themen konnten die Bürgerinnen und Bürger mit den Fachleuten ins Gespräch kommen, Fragen stellen und Impulse geben, die auf Zettel notiert wurden. Foto: Carsten Riedl

Am Anfang war der Donut. Das runde Gebäckstück mit dem Loch in der Mitte hielt Michael Christ, Klimaschutz- und Energiemanager der Gemeinde Dettingen, in die Luft. „Wenn wir die innere und äußere Grenze nicht beachten, zerstören wir uns. Wir müssen uns innerhalb dieser Grenze bewegen, das ist Daseinsvorsorge“, sagte er zur Begrüßung bei der Nachhaltigkeitswerkstatt in der Dettinger Schlossberghalle. Dazu hatte die Verwaltung die Bürger­innen und Bürger eingeladen, ebenso vier Referenten und einen Moderator. Ziel der Veranstaltung: diskutieren und Anworten finden zu Themen wie Nachhaltigkeit, Wirtschaft oder Umwelt. Es war die dritte Veranstaltung, die vor dem Bürgerentscheid über den Vorhaltestandort Hungerberg am Sonntag, 26. September, stattfand. Davor gab es die Begehung auf dem Hungerberg und die Podiumsdiskussion.

„Es ist die Auftaktveranstaltung. Diese erste Nachhaltigkeitswerkstatt wird viele weitere nach sich ziehen“, erklärte Dr. Christoph Dickmanns von cdi-Projekte Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung. Bevor die Bürger an den fünf Stationen miteinander ins Gespräch kommen konnten, gaben die Referenten Statements ab und lieferten Impulse.

Den Reigen eröffnete Thomas Kiwitt, Leitender Technischer Direktor beim Verband Region Stuttgart. „Nachhaltigkeit hat unterschiedliche Perspektiven. Vor Ort muss abgewogen werden, dafür gibt es gesetzliche Vorgaben“, erklärte er. Es könne keine Pauschallösung geben, es gelte, das Beste zu finden. Geringste Eingriffe in Natur und Landschaft sei die Prämisse. „Man muss an richtiger Stelle bauen und auch auf den Verkehr achten“, sagte er. Er will Naherholung vor der Haustür schaffen, beispielsweise mit einer besseren Radverbindung nach Kirchheim, Verweilplätze am Wasser oder einen Aussichtsturm. „Hier ist das Portal zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb“, so Thomas Kiwitt.

„Dachbegrünung kann eine große Menge von Wasser direkt auf dem Dach speichern und somit zurückhalten - aber es ist nicht billig“, sagte Professor Dr. Christian Küpfer, Leiter des Nürtinger Büros „StadtLandFluss“ für Landschaftsplanung, Gewässerrenaturierung und Kulturlandschaftsnutzung. Er will Gewässerläufe aufwerten, ebenso Streuobstwiesen. Dettingen solle die Gemeinde der kurzen Wege sein mit Ernährung, Wohnen und Erholung. Dazu gehört für ihn kompakt wohnen und im Grünen erholen.

Den Wert der Landwirtschaft betonte Dr. Christa Hoffmann von der Dettinger Oeconos GmbH Business Development. Sie rief dazu auf, bei der Diskussion an den Ständen mutig zu sein und neuen Technologien, Konzepten und Ideen eine Chance zu geben. Das könne beispielsweise eine große Halle sein, in der auf mehreren Etagen Lebensmittel produziert werden. „Die Zukunft der Landwirtschaft ist eine gesellschaftliche Aufgabe“, sagte sie. Die Digitalisierung habe auch große Veränderungen für Bauern gebracht. „Es gibt technische Möglichkeiten, den 3-D-Drucker anzuwerfen, um Lebensmittel herzustellen. Das können wir nicht aufhalten. Produktion und Handel hören nicht an der Grenze auf, das ist Globalisierung“, erklärte sie.

Matthias Lutz, Leiter Geschäftsbereich Standortmanagement bei der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, ging auf den zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort ein, die Bedarfe seien heute schon erkennbar. „Die Wirtschaft hat die Politik überholt. Wir sind zu Hundert Prozent grün und somit CO2-neutral. Aber Klimaneutralität ist kostspielig, das wird richtig teuer“, sagte er. Auf dem Hungerberg könnten Firmen mit nachhaltiger Technologie angesiedelt werden. Sein Fokus liegt auf Nutzung, Arbeitsplätzen und Infrastruktur. Er wollte den Fragen nachgehen, welche Perspektiven den Unternehmen gegeben werden sollten und welche Zukunftstechnologien auf dem Hungerberg angesiedelt werden könnten.

Die Diskussionen an den Ständen waren rege, die Bürger stellten den Experten Fragen, gaben Anregungen oder brachten ihre Nöte vor. Kernaussagen wurden auf Zettel notiert und an die Stellwände gepinnt. „Es gibt Bereiche, die konkret sind, andere abstrakt. Das ist viel Arbeit für den Klimaschutzmanager Michael Christ“, sagte Christoph Dickmanns zum Abschluss der Veranstaltung.

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